Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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53 jedenfalls ist es von großem Nutzen, die jüdische Religionsphilosophie in ihrer Entwicklung wissenschaftlich zu untersuchen und das bereits Vorhandene gehörig zu beleuchten. Es ist ein wichtiger Ruhmestitel des Judentums, daß in ihm das „Credo quia absurdum“ niemals gegolten hat, und dem jüdischen Volk gilt es als ehrendes Zeugnis, daß es auch im rohen und finsteren Mittelalter, in dem seine grausige Leidensgeschichte begann, das Denken nicht verlernt, sondern im Gegenteil zu hoher Blüte gebracht hat. Von den Erscheinungen des letzten Jahres möchte ich in chronologischer Reihenfolge erwähnen: „Die spekulativpsychologische Entwicklung der Grundlagen und Grundlinien des Philonischen Systems" von K. Herzog; „Die Stellung des Aristoteles bei den Juden des Mittelalters" von S. Horovitz. Was Aristoteles in der jüdischen Religionsphilosophie bedeutet, ist genügend bekannt. Es gab Zeiten, wo er neben seinem Lehrer Plato in den jüdischen Lehrhäusern nicht seltener zitiert wurde, als die Aussprüche berühmter jüdischer Lehrer. Nachdem sein Philosophisches System durch Abraham ibn Daud in die jüdische Religionsphilosophie eingeführt worden war, schlossen sich die jüdischen Religionsphilosophen, unter ihnen auch Maimonides, zuerst der konservativeren Auslegung des Jbn-Sinneh (Avicenna) an. Die Erforschung dieser Interpretation der aristotelischen Philosophie ist daher für das Verständnis der jüdischen Religionsphilosophie von großer Bedeutung. Von C. Sauter haben wir eine vorzügliche Monographie: „Avicennas Bearbeitung der aristotelischen Metaphysik". Diese Schrift bedeutet eine Bereicherung der Geschichte der Philosophie, und zwar dies umsomehr, als sie auf sicherer Beherrschung des Stoffes begründet ist und tief in ihn eindringt. Auch die kulturgeschichtliche Seite dieser wissenschaftlichen Erscheinung, an der die Juden unter islamitischer Herrschaft reichlichen Anteil hatten, wird da verständnisvoll gewürdigt. Von der größeren grundlegenden Arbeit S. Horovitz': „Die Psychologie bei den jüdischen Religions-Phisolophen des Mittelalters von Saadia bis Maimuni" ist jetzt das vierte (Schluß-) Heft erschienen, das „Die Psychologie