Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 32)
- Language
- German
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52 aus. einer Handschrift von H. Gollancz erfolgte Herausgabe von Notizen zu Manasse ben Israels „Conciliador" des Marco Luzzatto (1720 — 1799): „Meerot wehagahot. Hebrew Glosses and Notes by Marco (Mordechai) Luzzatto" erwähnt werden. * * * Die Religionsphilosophie war im Mittelalter und auch später, etwa bis zum 17. Jahrhundert, derjenige Literatur zweig, der sich mit der wissenschaftlichen Auffassung und Begründung des Judentums befaßte. Allerdings finden wir im goldnen Zeitalter der spanischarabischen Epoche auch beachtenswerte Anfänge von Bibelkritik und freier Bibelforschung überhaupt; aber man trug damals Scheu, die Ergebnisse der Kritik anders als nur andeutungsweise vorzutragen. Hingegen w.agte sich, die jüdische Religionsphilosophie schon viel freier heraus, getreu dem Grundprinzip des Judentums, das nicht Glauben, sondern Erkenntnis fordert. Deshalb konnte sich das Judentum im Sinne des geistigen Fortschrittes entwickeln, weil es stets die ethisch-religiöse Wahrheit in den Vordergrund stellte und nicht den blinden, wissensfeindlichen Glauben. Daß die jüdische Religionsphilosophie. von Zeit zu Zeit ihre Methode gewechselt hat, was tut dies? Der Beweis ist jedenfalls erbracht worden, daß das Judentum das Licht der philosophischen. Erkenntnis und der Kritik nicht zu scheuen hat. Und die unbefangene Forschung wird zu der Ueberzeugung kommen, daß das Judentum sich wohl mit der philosophischen Weltanschauung, wie sie gewisse Zeiten beherrscht, auseinandersetzen kann und soll, aber es stützt sich keineswegs auf die oft morsch werdenden Krücken des philosophischen Rationalismus. Man hat es beklagt, daß die religionsphilosophische Erforschung des Judentums in der letzten Zeit abgenommen habe. Tatsächlich hat die geschichtliche Erforschung die spekulative zurückgedrängt. Aber auch dabei hat das Judentum nichts verloren, vielmehr ist dessen Verständnis umfassender und lichtvoller geworden. Aber