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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 27

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Literarische Jahresrevue
Date
1913-01-01
Page
Seite 27 (sequence 7)
Language
German
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meine Ansicht dahin aus, daß man auf die Errichtung eines solchen Lehrstuhls keine allzugroßen Erwartungen setzen darf, selbst wenn das dahingehende Bestreben in absehbarer Zeit zur Tatsache werden soll. An der Universität Leipzig hat man für die Wissenschaft des Judentums, zunächst für die Erforschung des Talmuds und der mit ihm verwandten Literatur ein „Lektorat" gegründet. Zu. . einer ordentlichen Professur konnte man sich nicht entschließen, weil man die Wissenschaft des Judentums aus dem Ghetto nicht befreit sehen möchte. Welche Leistungen das neubegründete Lektorat zeitigen wird, bleibt abzuwarten. Wir brauchen uns aber nicht sonderlich aufzuregen. Das Judentum und seine Wissenschaft sind auch ohne staatliche Hilfe, vielleicht gerade in deren Ermangelung, ganz gut gediehen. Auch die Wisfenschaft im allgemeinen kann sich außerhalb der Zunft sehr gut entwickeln. Spinoza und Schopenhauer haben niemals aus ihren Heften Kollegien gelesen. Und insbesondere die Wissenschaft des Judentums hat zu allen Zeiten auch durch unbeamtete Männer weitgehende Förderung gefunden. Alle Mißgunst und alle kleinliche Zurücksetzung werden es nicht verhindern, daß das Judentum und seine Wissenschaft sich im Geistesleben aller Kulturvölker den Platz erobern werden, der ihnen gebührt. Ob sie bereits universitätsfähig geworden sind oder nicht — die Wissenschaft des Judentums ist älter als die älteste Universität in Europa. An ihr wird auch jetzt Jahr für Jahr fleißig und ergebnisreich gearbeitet. Wer von universeller Wissenschaft spricht, und dieser Begriff ist ja von dem der Universität nicht zu trennen,, kann das Judentum nicht ausschließen. * * * Wenn wir die wissenschaftlichen Erscheinungen desletzten Berichtsjahres überblicken, finden wir die fortgesetzte Beschäftigung mit dem biblischen Schrifttum als eine gewiß erfreuliche Tatsache. Das Interesse für-

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