Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 5)
- Language
- German
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25 Zu leisten sich erlauben. Vorläufig ist aber noch alles Wissenschaft. Der nachbiblische Teil der Wissenschaft des Judentums wurde früher von christlichen Theologen arg vernachlässigt. Welcher vernünftige Mensch wird auch „viele gute Stunden" zur Erforschung des „rabbinischen Aberwitzes" verwenden, die er gewiß besser aussüllen könnte? So ungefähr äußerte sich vor einigen Jahrzehnten Paul Lagarde, der eine eigenartige Schule für die wegwerfende Behandlung des „Spätjudentums" begründet hat. Leider hat diese Lehre mehr Verbreitung gefunden, als man glaubt. Denn nicht nur über Unkenntnis des nachbiblischen Judentums, sondern auch, und zwar dies in größerem Maße, über dessen Mißachtung hat man sich zn beklagen. Das ist auch der Quell aller Mißerfolge. Eine Wissenschaft, die sich mit mißachteten und lappalienhaft behandelten Dingen befaßt, kann unmöglich zu einem gedeihlichen Ende führen. Trotzdem haben doch viele christliche Theologen bereits eingesehen, daß man mit der bloßen Mißachtung nicht weit kommt. Was hat eigentlich den Forschungen Strauß', Renans, Ewalds, Keims, Hausraths und anderer an sich verdienstvoller Gelehrte am meisten geschadet? Doch wohl nur ihre Unkenntnis auf dem Gebiete des nachbiblischen Judentums. In letzter Zeit ist es ein beliebtes Thema christlicher Theologen geworden, die „neutestamentliche Zeitgeschichte" zu erforschen. Unbefangen ist selten einer von ihnen an die Behandlung dieses Stoffes gegangen. Das Ergebnis muß ja von vornherein sein, daß das Judentum, in seiner Entwickelung gehemmt, versteinert war und seine Daseinsberechtigung verlor, und deshalb mußte das Christentum als die Erlösung kommen. Dieses stellt das Prinzip der Fortentwickelung und des religiös-ethischen Fortschritts dar gegen das rabbinische Judentum, das sich vom „Joch des Gesetzes" nicht befreien konnte, dies vielmehr noch erschwert habe. Zu einer wissenschaftlich - objektiven Würdigung des Judentums in der nachbiblischen Zeit, bis zur Entstehung des Christentums, als dieses eine feste