Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5672
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
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- Odesa 2× ep/1000834
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— 16 verficht. Es steht zu hoffen, daß der gesunde und gerechte Sinn des englischen Volkes den Besitzern der „Times" beweisen wird, wie falsch ihre gewissenlose Berechnung gewesen ist. Nirgends übt die Schreckensherrschaft der echt russischen Leute eine schrecklichere Wirkung als in der großen Hafenstadt Odessa, wo der Stadthauptmann Tolmatschow die Juden mit mehr als pharaonischer Grausamkeit verfolgte. Unter der einst, wohlhabenden jüdischen Bevölkerung Odessas, die über 150000 Seelen beträgt, gibt es jetzt nicht weniger als 90000 Almosenempfänger! Wenn dies in der lebhaftesten und verkehrsreichsten Stadt Rußlands der Fall ist, so kann man sich einen Begriff von dem unsagbaren Elend machen,' unter dem in den Orten des Innern die dort zusammengepferchten Juden leiden. Zwar ist der schändliche Tolmatschow, „der König von Odessa", infolge einer schmutzigen Bestechungsgeschichte mit schlichtem Abschied entlassen worden, aber darum wird es. aus den schon erwähnten Ursachen, doch den Juden nicht wesentlich besser gehen. Schwache. Haltungslose Charaktere, besonders unter den akademisch Gebildeten, suchen ihre Laufbahn durch den Uebertritt zur herrschenden Religion zu retten. Dieser Abfall findet leider in großem Umfange statt. Eine Versammlung jüdischer Notabeln in Kiew hat mit flammenden Worten sich gegen solche feige Lüge erhoben. Um so mehr Ehrung gebührt den Millionen unserer Glaubensgenossen in Rußland, .die durch ein Wort aus Hunger und Sklaverei sich in die Freiheit retten könnten, die aber dieses Wort nicht sprechen, weil sie damit einen Verrat an ihrer teuersten Ueberzeugung verüben würden. Wahrlich, kein Volksstamm hat je einen solchen Idealismus, eine solche hingebende Treue erwiesen, wie diese verächtlich angesehenen russischen Juden! Der unparteiischen Nachwelt wird ihr Name in dem verdienten Glanze erscheinen, und die durch ihre Knechtschaft erzeugtenSchäden werden vor ihrer unsterblichen Größe vergessen werden. Im Gouvernement Kiew wurde von den Pogromleuten das furchtbare Märchen des Ritualmordes auf-