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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 15

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Rückblick auf das Jahr 5672
Date
1913-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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15 in sehr lauer Weise an: wurde doch erst jüngst der Regierungsvorschlag eines Ausnahmegesetzes gegen jüdische Deserteure gebilligt, deren Angehörige mit Geldstrafen belegt werden sollen. Unter solchen Umständen betreiben die Ministerien und die untergeordneten Behörden munter das Geschäft der Ausschließung der Juden von allen staatlichen, städtischen und Ehrenämtern, sowie von den verschiedensten Berufen und deren Austreibung aus allen Orten, wo man dazu nur den leisesten Vorwand finden kann. In den Bädern und Sommerftischen wird selbst der vorübergehende Aufenthalt den Juden verweigert. Aus Sibirien wurden alle Juden ausgewiesen, die sich dort nach dem 9. Dezember 1909 niedergelassen hatten. Noch gewalttätiger ist die, durchaus im Widerspruche mit dem Oktobermanifest des Zaren von 1905 stehende Entscheidung des Senats, daß die Juden mit bedingtem Wohnrecht nicht wahlberechtigt zur Duma seien. So ist in ungesetzlicher Weise allen jüdischen Handwerkern, Apothekergehilfen, Zahnärzten usw., die auf Grund ihres Berufes außerhalb des Ansiedlungsrayons wohnen, das Wahlrecht genommen. Damit meint die Regierung offenbar die liberale Partei bei den bevorstehenden Wahl zur vierten Duma zu treffen. Leider hat auch die russische Geistlichkeit, mit ihren Bischöfen und Erzbischöfen an der Spitze, sich zum großen Teile auf die Seite der Antisemiten gestellt und hetzt durch ihre Predigten die Bevölkerung gegen die „Hebräer" auf. Das gesamte Treiben dieser Judenverfolgung wird im Auslande auf das schärfste verurteilt. Nun ist zwar den „echt russischen Leuten" im Grunde gleichgiltig, was der „verrottete Westen" sagt; aber man braucht diesen doch gelegentlich, wenn man eine auswärtige Anleihe aufnehmen will. Deshalb hat man die finanziellen Schwierigkeiten benutzt, in die das größte englische Blatt, die „Times", geraten war, um sie durch materielle Vorteile für das offizielle Rußland zu gewinnen, dessen Partei diese Zeitung seitdem mit staunenswerter Unverfrorenheit

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