Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5672
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
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— 14 — kein anderer als der Zar selbst. Es ist den Judenfeinden gelungen, ihm die leidenschaftliche Ueberzeugung beizubringen, daß die Juden Sie eigentlichen Revolutionäre und die schlimmsten Feinde Rußlands seien, die man aus dem Reiche vertreiben oder vernichten müsse. Selbst unparteiischer gesinnte und einsichtigere Minister müssen dieser Richtung des Herrschers Rechnung tragen, wenn sie im Amte bleiben wollen. Nikolaus II. läßt keine Gelegenheit vorübergehen, seinen antijüdischen Fanatismus öffentlich zu bekunden. Hat er doch den Führer der Pogrombewegung, den Mörder zahlloser schuldloser Israeliten, Purischkewitsch, einen Menschen, der überdies durch die gröbsten Verfehlungen gegen das Strafgesetzbuch sich die allgemeine Verachtung zugezogen hat, zum Wirklichen Staatsrat ernannt und durch das Geschenk seines eigenen Bildnisses mit Allerhöchster Unterschrift noch besonders ausgezeichnet. Ebenso hat der Zar einen gewissen Siniadinow, einen rohen Kerl, dessen ganzes Verdienst darin besteht, seinerzeit den Pöbel von Kischinew gegen die Juden aufgehetzt und zu Plünderung und Mord gegen sie geführt zu haben, mit dem Adelsbrief belohnt. Solche Tatsachen reden eine so laute Sprache, daß jeder Kommentar überflüssig wäre. Auch von den übrigen höchsten Gewalten des Reiches ist nichts für die Juden zu hoffen. Der Senat, an dem sie früher noch einigenHalt gegen ungesetzliche Bedrückungen fanden, der Reichsrat und die Duma selber folgen gehorsam dem Antriebe, den sie von höchster Stelle empfangen. Da fast kein jüdischer Rechtsanwalt mehr zugelassen wird, haben sich die jungen jüdischen Juristen unter die Gehilfen der Rechtsanwälte geflüchtet, als welche sie unter fremdem Namen tätig sein können; jetzt hat der Senat die Aufnahme unter die Gehilfen von der Genehmigung des Justizministers und einem gewissen Prozentsatz der Juden abhängig gemacht. Der Reichsrat brachte in das Gesetz über Reform des Gerichtswesens einen Paragraphen, daßJuden nicht zuFriedensrichterngewählt werden sollen. In der dritten Duma überwogen die Judenfeinde, und sogar die Opposition nahm sich der „Hebräer" nur