Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 16 (1913)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5672
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
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13 Erfreulich ist es, daß in einem anderen Balkanstaate, in Bulgarien, die unter den Israeliten ausgebrochenen Streitigkeiten wieder beigelegt zu sein scheinen. Auf einem, von den Vertretern der sämtlichen 24 Kultusgemeinden Bulgariens besuchten Kongresse, im Mai 1912, einigte sich die große Mehrheit — 19 Gemeinden — zu einem Vertrauensvotum für den Großrabbiner und zum Beschlüsse der Einrichtung eines regelmäßig wiederkehrenden Judentages. Diese an vielen Orten austretenden Bestrebungen zur inneren Landesorganisation der Israeliten sind von großem Werte für unsere Glaubensgenossenschaft. Auch in Griechenland dürfen wir ähnliche Erscheinungen mit Freuden begrüßen. Unter den dortigen etwa 8000 Juden herrschte bisher großer Jndifferentismus, so daß in den meisten Gemeinden weder Schulen noch Wohlfahrtseinrichtungen vorhanden waren. Jetzt gibt sich hauptsächlich in der Hauptstadt Athen ein reges Leben kund, wo eine Synagoge, geregelter Gottesdienst und Religionsunterricht entstanden sind und eine jüdische Zeitung, die Israelitiki Epitheoresis, erscheint. Es soll auch hier eine Vertretung aller griechischen Judengemeinden, ja ein förmliches Zentralkonsistorium nach französischem Muster ins Leben gerufen werden. In Rumänien ist während dieses Jahres unter der Leitung des Ministerpräsidenten Carp, der stets ein Freund der Gerechtigkeit gewesen ist, eine leise Besserung in der Behandlung der Juden eingetreten. Das Wichtigste ist hier Folgendes. Bisher durften in den zahlreichen Fabriken, die von der Regierung Unterstützung erhalten, nur wenige Prozente „fremder" d. h. jüdischer Arbeiter beschäftigt werden. Jetzt hat die Regierung beschlossen, diese Beschränkung in Wegfall zu bringen. Es wäre zu hoffen, daß die Leiter Rumäniens die schmähliche und grausam willkürliche Gleichstellung der eingeborenen Juden mit den „Fremden" auch auf anderen Gebieten beseitigten. Keinerlei Hoffnungsstrahl blitzt aber für die fünf Millionen unglücklicher Juden in Rußland auf. Die Minister gehen und kommen — es bleibt alles dasselbe, ja es wird immer ärger; denn unser eigentlicher Gegner ist