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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 8

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Rückblick auf das Jahr 5672
Date
1913-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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8 Frankreichs Nachbar Italien ist gleichfalls durch einen Kolonialkrieg in Nordafrika beschäftigt, indem es, allerdings mit Weiser Langsamkeit, die Eroberung von Tripolis betreibt. In diesem Lande leben etwa 18 000 Israeliten; zwei Dritteile von ihnen in der Hauptstadt, auch fast alle anderen in den Küstenorten, so daß sie nuninehr beinahe sämtlich unter italienischer Herrschaft stehen. Die überwiegende Mehrzahl ist arm oder doch wenig bemittelt, an wirklich Reichen gibt es nur einige. Die tripolitanischen Juden können als solche durch die entwickelte und vorurteilslose italienische Kultur nur gewinnen, und es ist ihnen kaum zu verdenken, daß sie sich ihr gern anschließen. Anders steht es mit den Israeliten in der eigentlichen Türkei, die, in Uebereinstimmung mit den Ermahnungen ihrer Presse, die lebhafteste Vaterlandsliebe erweisen. In. dem Lande unserer Väter selbst fand in Jaffa Vonseiten der dortigen jüdischen Gemeinde eine begeisterte patriotisch-kriegerische Kundgebung statt. Und nicht minder sehen wir wiederum die Juden Italiens als treue Söhne ihres schönen und freigesinnten Vaterlandes. Die Zeitung Settimana israelitica gab solchen Gesinnungen lauten und wiederholten Ausdruck, zahlreiche Juden traten als Freiwillige in die Reihen der kämpfenden Truppen. Viele von ihnen starben auf dem Schlachtfelde oder zeichneten sich rühmlichst aus. Hauptmann Angelo Frank erstürmte Tobruk von der Seeseite, Leutnant Bianchini und Hauptmann Pugliese, der schon vorher die Tapferkeitsmedaille erhalten hatte und verwundet wurde, nahmen einen hervorragenden Anteil an den Gefechten um Bengasi. Leutnant del Vecchio fiel im Kampfe bei Ain-Zara. Genieleutnant Sacerdote erwarb durch die kühne und geschickte Leitung seines Militär-Aeroplans bei seinen gefährlichen Erkundungen der feindlichen Stellungen große Anerkennung. So fügen die italienischen Offiziere jüdischen Glaubens ein neues Blatt in die Ruhmesgeschichte der militärischen Tüchtigkeit des israelitischen Stammes! Auch Italien hat seinen Ansall von Antisemitismus durchzumachen gehabt. Als die Mehrzahl der europäischen

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