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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1913-01-01 · 16 (1913) · p. Seite 9

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
16 (1913)
Article
Rückblick auf das Jahr 5672
Date
1913-01-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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9 Zeitungen in nicht ganz ungerechtfertigtem Unwillen dieses Land wegen seines plötzlichen Ueberfalles der Türkei angriffen, wollte ein Teil der italienischen Presse dieses „Uebelwollen" aus die Erregung des angeblich wegen des Sturzes der türkischen Papiere erbitterten jüdischen Kapitals schieben. Aber diese von überreiztem Chauvinismus eingegebene Erklärungsweise war allzu töricht, als daß sie nicht bald in ihrer eigenen Lächerlichkeit erstickt wäre. Die Gleichberechtigung, ja die Hochschätzung des jüdischen Elementes in Italien hat darunter nicht dauernd gelitten. Der Kongreß italienischer Bürgermeister, der sich im vergangenen Herbst vereinte, erkor Ernesto Natan, den ersten Bürgermeister Roms, zu seinem Vorsitzenden. Wichtiger für das italienische Judentum, das bekanntlich in seinem Bestände von dem in seiner Mitte herrschenden Jndifferentismus schwer bedroht ist, dürfte es sein, daß seine Gemeinden sich zu einem Bunde zusammengefunden haben, der allerdings noch keine bleibende und wirksame Organisation, sondern nur einen periodisch zusammentretenden Delegiertentag besitzt. Das darf nur der erste Schritt sein; um wirklich Gutes und Bleibendes zu leisten, muß der Bund sich eine ständig arbeitende Verfassung geben, wie der Deutsch- Israelitische Gemeindebund sie besitzt. Erfreulicher Weise hält auch die jüdischeJugend Italiens Kongresse ab, und soist zu hoffen, daß das beinahe erloschene jüdische Bewußtsein auf der Apenninenhalbinsel sich wieder kräftiger entfalten wird. Die Regierung Portugals ist auf den Einfall gekommen, die Hochebenen ihrer westafrikanischen Kolonie Angola mit jüdischen Einwanderern zu besiedeln. Angehörige einer Großmacht will sie in diesen Wildnissen nicht haben, damit deren Mutterland nicht eines schönen Tages auf das Gebiet Anspruch erhebe; sie zieht also die heimatlosen jüdischen Emigranten vor, vorausgesetzt, daß diese kapitalkräftig seien. Hoffentlich gehen die Israeliten auf diese Lockung nicht ein. Angola liegt dicht unter dem Aequator; seine durchschnittliche Temperatur aus dem Hochlande ist zwanzig Grad Wärme; alles ist eine tropische Wildnis. Und dahin, unter eine unzivilisierte

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