Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 275

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Der Mischpocherentner
Date
1912-01-01
Page
Seite 275 (sequence 64)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3111067-3111096-3115687--4258-3115974
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

275 sehr teuer ist, namentlich Fleisch, Eier, Pflaumen, Osterbrote und Gänsefett; bei mir wird noch streng rituell Haus geführt. Die Frau, bei der ich wohne, besorgt mir die Aufwartung und Küche. Es ist die Witwe des Tempeldieners, Frau Fischel, bei der ich im Parterre ein Kabinett mit separatem Eingang vom Vorzimmer ans inne habe. Sehr rein, licht, trocken und moderne große Fenster, ich glaube, ich bin da sehr gut untergebracht, sie kocht in ihrer Küche für mich mit und was das beste dabei ist, ich wohne wieder in demselben Hause, wo ich das Licht der Welt erblickte und von wo ich dann hinaus zog ins feindliche Leben, um endlich wieder heimzukehren! Die Witwe Fischel hat nämlich eine Wohnung im alten Schulhaus inne, das in einige kleine Wohnungen eingeteilt und vermietet wurde, nach der Erbauung des neuen, prachtvollen Schulhauses, das Leipnik sich gelobt zu Gott, leisten konnte. Ich bitte Dich, liebe Jetti, an Geschwister und Verwandten dies mitteilen zu wollen und auch, daß ich gesund bin und von allen sonstigen Ubikationen nunmehr Abstand nehmen kann. Gleichzeitig mache ich Dich aufmerksam, daß die bevorstehende Jahrzeit nach Deinem seligen, teuren Vater, Herrn Rabbiner Dr. Friedmann, am 20. Siwan ist also aus Dienstag, den 16. d. M. fällt, das Jahrzeitslicht ist demnach am Montag Abend anzuzünden und ersuche ich Dich auch unserm Schwager Selig Weiß zu vermelden, daß er nach seiner Mutter am 27. Siwan Jahrzeit hat. Ich werde wie alljährlich hier im Tempel die beiden Jahrzeiten in üblicher Weise abhalten. Den andern Lieben werde ich demnächst auch direkt einige Zeilen zugehen lassen, um mich für ihre mir gewährten Wohltaten zu bedanken und mich ihrem ferneren geneigten Wohlwollen zu empfehlen. Ich weiß, daß es sie freuen wird zu hören, daß es mir gut geht und ich mich für mein Alter hier behaglich eingerichtet habe. Die „Neue freie Presse" habe ich in „sub“ abonniert, d. h. im Nachabonnement. Ich bekomme sie immer am dritten Tage nach ihrem Erscheinen von Herrn Apotheker Rohadschek, wo ich sie 18 *

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.