Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Der Mischpocherentner
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 272 (sequence 61)
- Language
- German
- Belongs to
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Das waren zur Zeit als er heimkehrte, doch noch manche, und sie erzählten sich in „Schul" und zu Haus: „Saul Eisenstädter ist zurückgekommen und will hier bleiben und bezieht monatlich seine Rente vom Wiener Bankverein." „Hat er denn Vermögen?" fragte der und jener. „Er hat genug zu leben", lautete die Antwort Eingeweihter. Und so war es in der Tat. Einen kleinen Nebenerwerb verschaffte er sich, als er erst wieder heimisch geworden war, außerdem dadurch, daß er die Jahrzeiten von Gemeindemitgliedern an deren auswärts lebende Angehörige meldete und sich erbot, am Jahrzeitstag für die Hingeschiedenen in der Synagoge die üblichen Seelengebete zu sprechen. Das wurde in fast allen Fällen pietätvoll angenommen und mit einem entsprechenden Geldbetrag vergütet. Und die aus Leipnik stammenden, später an anderen Orten niedergelassenen Gemeindezugehörigen waren es gewohnt und verließen sich daraus gelegentlich solcher Erinnerungstage, von Herrn Saul Eisenstädter eine mit schönster Handschrift geschriebene Postkarte folgenden Inhalts zu erhalten: Hochverehrte Dame! Ich erlaube mir Sie darauf aufmerksamen machen, daß der Jahrzeitstag nach Ihrer seligen, hochehrbaren, guten Frau Mutter am 17. Tischri, diesmal auf Montag, den 9. Oktober fällt, sodaß das Jahrzeitslicht am 8. Oktober (Vorabend) anzuzünden ist. Das Seelengebet werde ich auch dies Jahr am betreffenden Tage in der hiesigen Synagoge abhalten. Hochachtungsvoll und ergebenst Saul Eisenstädter. Diese Benachrichtigungen hatten im Laufe der Jahre sich zu einer völligen Institution herausgebildet, weil nicht nur die, die Saul von früherher kannte, diese