Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Der Mischpocherentner
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 269 (sequence 58)
- Language
- German
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269 ihren bereits Heranwachsenden Kindern und die Schwägerin Regi samt ihrem braven Schneidermeister und Kathi, die endlich die Hoffnung aufgegeben hatte, auch unter die Haube zu kommen und sogar — Saul! Hier stockte sie, da war sie ja wieder bei dem angelangt, der diesen ganzen Rückblick hervorgerufen hatte. Saul! Ganz sicherlich war auch er innerlich sehr beglückt und zufrieden, als er den Bruder Elieser, für den er immer eine Vorliebe hatte, so in Ehren und Würde sein Haus begründen und eine feine, kluge Frau heimführen sah. Wenn er in seiner gewohnten Manier sich darüber auch nicht äußerte, so konnte man ihm doch ein Verständnis für diese ganz veränderte Situation nicht absprechen. Und wie dann nach einigen Jahren, er lebte damals schon lange bei ihnen in Wien, das fürchterliche Unglück über sie hereinbrach, und Elieser nach kurzer, schwerer Krankheit starb, da war er in seiner wortlosen, tiefen Trauer rührend gewesen, erschütternd in der stummen Verzweiflung, mit der er die Kunde vom Tode des Bruders empfing. Man empfand seine volle Zugehörigkeit zur Familie, trotz seiner eigentümlichen Art, scheinbar nur geringen Anteil zu nehmen an dem Leben und Treiben, das sich um ihn abspielte . . . nah und fern, denn ein inniger Kontakt verband sie alle miteinander, die Wiener und die draußen, die alte und die neue Generation. Aber als ein treuer Gefährte im Leid erwies er sich, das war zu bedenken, und wie es in einem so großen Familienkreise nicht anders sein kann, gab er ja leider viel zu oft Gelegenheit, sich in dieser Hinsicht zu bewähren. Ihr Vater, Dr. Friedmann, starb, ihm folgten manche andere aus der Sippe, und endlich auch Dr. Berger, hochbetagt. Dieser hatte den Tod seines Schwiegersohns nie verschmerzt, und nur in der Erziehung seiner Enkelkinder, bei der er feiner verwitweten Tochter zur Seite stand, etwas Trost gefunden. Drei Knaben waren es, die in frühestem Kindesalter den Vater verloren hatten ... was für schwere, trostlose Zeiten für sie alle. . .'! Doch Gott hatte ihnen geholfen das Schwere zu ertragen, und