Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Der Mischpocherentner
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 268 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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268 zu machen, die nun dazu herhalten sollen, meinen Kindern ein freundliches Heim zu gründen, das sie in Bescheidenheit und Frohsinn zu einer Stätte der Frömmigkeit, Humanität und geistiger Anregung machen mögen. Ein kleines Kapital — ich nenne es absichtlich nicht Mitgift — sicher angelegt, soll sie vor Sorgen schützen, ein von mir etwas erhöhter Zinsenzuschuß ihnen ein wenig Bewegungsfreiheit geben, neben dem für Rabbiner noch immer all zu kleinem Gehalt. Also, mein lieber Freund, Sie freuen sich mit mir, dessen bin ich gewiß, und nehmen mich herzlichst in die Mischpoche auf. Viele Grüße Ihnen und Ihren Lieben von Frau und Kindern und Ihrem Sie hochverehrenden Dr. Herrmann Berger. Frau Jetti hielt den Brief in den gefalteten Händen, die in ihremSchoß ruhten, und gedachte der innigen Freude, die dieses Schreiben in ihrem Elternhause hervorgerufen hatte, wo sie mit ihrem Erstgeborenen, Rudi, gerade zu Besuch war. Es war ein rechter Feiertag! Und ihr Vater hatte damals gesagt: „Dr. Berger ist ein herrlicher Mann und ein wahrer Jude und dieser Brief, so voll Wahrhaftigkeit und Ernst und Humor ist ein Dokument von höchster Bedeutung für die ganze Familie." — Und alles was dann folgte, durchlebte sie in ihren Gedanken noch einmal. Die Hochzeit Eliesers mit Anna Berger. Ein Glanzpunkt in den Analen der Familie! So ganz anders, wie Fannscherls Hochzeit und auch wie ihre eigene, die ja allerdings auch schon einen weiten Schritt vorwärts in ein Leben von neuer Gesittung und neuen Formen bedeutete. Aber diese Hochzeit eines jungen Rabbiners und Dr. phil. mit der Tochter eines hochangesehenen Arztes wurde von ihnen allen als eine Phase von ganz besonderer Bedeutung in der Entwicklung der Familie angesehen und hoch bewertet. Die Geschwister waren stolz und glücklich. Ihr Josef und sie mit ihm und Selig Weiß in Saybusch mit seiner Fannscherl und