Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 267

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Der Mischpocherentner
Date
1912-01-01
Page
Seite 267 (sequence 56)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3111067-3111096-3115687--4250-3115966
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

267 nicht nur brüderlich, sondern glaubensbrüderlich erfreuen. Sie sind natürlich der erste, dem ich von dein frohen Ereignis Mitteilung mache! Das erste „Masseltow" will ich von Ihnen hören. Die Verlobung wird offiziell erst nach den großen Herbstfeiertagen bekannt gegeben, damit mein Schwiegersohn während dieser heiligen Zeit nicht durch persönliches abgelenkt werde, in seinem hohen Amt. Wir erwarten Sie zur Verlobung, wenn Sie es lieber hören, zum Tnojim-Schreiben, ich bin zu allem bereit, denn ich bin wahrhaft zufrieden. Natürlich werden Sie hier Ihre Wiener Kinder antreffen und sonstige Angehörige der übrigen „Mischpoche", wie ich hoffe. Jetzt nur ein Wort zur Sache selbst. l)r. Elieser Eisenstäd.ter bewirbt sich schon seit drei Jahren um meine Tochter. Wie es der Würde eines Rabbiners entspricht, auch wenn er jung ist, wie mein Schwiegersohn, -mehr in innerem Entzücken, wie in äußerer Verliebtheit, aber seine Besuche in Leipnik wurden, seit er vor 3 Jahren, auf Kewer crwes (Gräberbesuch) hier war, und in unserm Hause natürlich ein lieber Gast, immer häufiger, besonders nach seinem Amtsantritt in Teschen. Die alte Heimat hatte, wie er behauptete, eine unwiderstehliche Anziehungskraft für ihn. Dieses Heimatsgefühl erstreckte sich auch auf die Orte, wo ich und meine Familie unsere Sommererholung suchten, und er seinen Urlaub verbrachte und so kams, Herr Rabbiner! Und wissen Sie, was mein Schwiegersohn jetzt ganz frischweg behauptet? Er habe sich in meine Tochter schon damals verliebt, genau wie sein Bruder Josef in Ihre Tochter, bei Herrn Selig Weiß' Hochzeit, wenn Sie darauf bestehen, sage ich sogar: Chassene! Wer hätte das von den Eisenstädterischen sich gedacht? Und so will ich denn mit Gottes Hilfe dieses Haus auferbauen helfen. Daß ein Landarzt ohne andere kapitalistische Grundlage als seine einstmalige Mischpoche, kein großes Vermögen erwerben konnte, mögen Sie sich wohl denken können, aber meine Arbeit war gesegnet und so vermochte ich doch einige Ersparnisse

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.