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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 266

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Der Mischpocherentner
Date
1912-01-01
Page
Seite 266 (sequence 55)
Language
German
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266 ist heute die Krone ihres Lebens geworden. Die Pietät! Sie beschirmt sie im rauhen, rücksichtslosen Daseinskampf, und gibt ihnen einen Rückhalt, ohne daß es ihnen vielleicht selbst zum Bewußtsein kommt, der sie mit einer Vergangenheit bindet, die leidvoll war, aber nie ohne Innerlichkeit, weil sie im Reinmenschlichen wurzelte, in Zusammenhängen, die hinabreichen in weite Fernen. Legende und Geschichte haben sie mit geheimnisvollen Schauern umwoben, so dast ein Volk darin sein Mysterium finden mußte, seine Mission und seinen Adelstitel. Das auserwählte Volk! Und wenn ich damals bei der Hochzeit, die Israel Eisenstädters Mischpoche seiner Tochter ausriHtete, mich gegen dieses Mischpochegehaben wendete, so bekenne ich heute freimüthig und gern, daß ich im Laufe der Jahre meine Ansichten gründlich revidiert habe. Sie gibt der heutigen Generation eine Empfindung, die sie grade und aufrecht erhält, und den Erdboden, dem sie entstammen, ihnen heiligt. Ich möchte sie als die Erfüllung jenes Adelstitels, dereinst von der freigewordenen Judenheit angesehen wissen. Daß meine Betrachtung einen ganz aktuellen Grund hat, haben Sie vielleicht schon errathen, hochverehrter Freund und Rabbi! Ich melde .mich mit großer,, innerer Befriedigung als ein Zugehöriger, zu Ihrer Mischpoche, und zeige Ihnen hiermit die Verlobung meiner Tochter Anna mit Herrn Dr. Elieser Eisenstädter, Rabbiner in Teschen, Oester. Schles. an. Meine Tochter wird so die Schwägerin Ihres lieben Kindes Jetti, der Frau von Josef Eisenstädter in Wien, und der übrigen Geschwisterschar, die aus unserer kleinen Gemeinde Leipnik den sehr schwierigen Ausstieg nach den Höhen des Lebens wagte. Und wenn es auch nur kleines Hügelland ist, das sie vorerst erklommen, so ist dieses Land lieblich und friedlich, und ich bin glücklich, daß mein. Kind darin Aufnahme finden wird. . . Bahn frei für die andern, soll es dann heißen: Kinder und Kindeskinder! Und wir beide, teurer Freund, gehören nun zur selben Mischpoche, aber recht gründlich! Und wir wollen uns dessen.

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