Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Der Mischpocherentner
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 263 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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. .263 *- ' : erwies, blieb ewiges Geheimnis. Er wurde nach dieser 1 Affäre womöglich noch einsilbiger und verschlossener, und -l die Tage und Jahre glitten vorüber, und die Ereignisse - der Welt gingen über ihn hin, ohne irgendwelche sichtbaren Spuren in seinem Wesen zu hinterlassen. Und doch sah und beobachtete er das rege Leben um sich her, das Hereindringen der Jugend, die stürmisch verlangt und begehrt, am Alten, Hergebrachten rüttelt und neue Ideen und Anschauungen empfängt und verteidigt. Aber ' seine Position blieb merkwürdiger Weise unangetastet, seinem latenten.Widerstand setzten diese jungen, frischen; Menschen keine allzugroße Opposition entgegen. Nach den ersten Versuchen hatten die „Eisenstädterischen Buben" und ihre Freunde das aufgegeben. Da war eben ein altmodischer Onkel, der kein Verständnis hatte für eine - neue Zeit, und den mußte man seinen gewohnten Pfad - wandeln lassen und ihm keine Steine in den Weg legen und ihn nicht irritieren und kränken. Die Tradition zu ehren, waren sie von Mutter her gewohnt, trotz Freiheitsdranges und Ansturms moderner Zeitfragen. Und der Vater gar, der ein religiöser, frommer Mann war lind ebenso wie der Onkel „Saul" streng am rituellen Judentuin festhielt, wenn er auch seine Kinder gewähren ließ, : hätte es schmerzlich empfunden und nicht geduldet, daß jugendlicher Uebermut und das Siegergesühl junger Kraft den alten Bau erschüttert hätte, der auf den Pfeilern der i Glaubenstreue aufgerichtet war. So trat der innere -! Zwiespalt dieser grundverschiedenen Welten nie in die Erscheinung. Man begegnete dem Onkel stets mit einer gewissen Ehrerbietung, belächelte seine Absonderlichkeiten wohl innerlich, ohne ihn je durch Spott zu verletzen. Genug, daß er sich darin behagte, daß nichts ihn aus der Fassung brachte, und das ging nun schon so an die zwanzig Jahre, als wäre es ein Tag, und darüber war er fünfzig Jahr geworden, ohne daß sie es nur gemerkt hatten, und während sie alle noch in Arbeitsamkeit und Regsamkeit vorwärts schritten und die Kinder sich zum Aufstieg t rüsteten, kam er und begehrte sein Altenteil. # * *