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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 258

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Der Mischpocherentner
Date
1912-01-01
Page
Seite 258 (sequence 47)
Language
German
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— 258 — j längeren Aufenthalt dort während des Sukkotfestes eingeladen, und schon in dem Halbfeiertage verlobte er sich mit Fräulein Jetti Friedmann, die kurz darauf seine Frau wurde. Die Ehe war eine überaus glückliche und gesegnete. Nicht daß ihnen große Reichtümer oder nur besonderer Wohlstand beschieden war. Josef Eisenstädter kämpfte . «j in seinem Geschäft den Kampf, den mit kleinen Mitteln arbeitende Geschäftsleute der kapitalsstarken Konkurrenz gegenüber immer durchmachen, aber seine Emsigkeit und Ehrlichkeit machten es ihm doch stets möglich seine Familie anständig durchzubringen. Er war bei seiner Kundschaft beliebt und die großen Händler, von denen er seine Brennmaterialien bezog, arbeiteten gern mit ihm, weil er seinen Verpflichtungen pünktlich nachkam. Aber zu einem rechten Aufschwung kam es doch nicht, wohl weil er allzu gewissenhaft und ängstlich, nichts zu unternehmen wagte, was über seine Kräfte ging. „Wenig und zufrieden" war sein Wahlspruch, den auch seine sonst viel resolutere Frau zu dem ihren gemacht hatte. Für große kaufmännische Transaktionen fehlte ihr, der in bescheidenen Verhältnissen erzogenen Rabbinerstochter, jedes Verständnis. Daß ihr Mann in geschäftlichen Sorgen und Qualen sein Leben hinbringen sollte, um ihr vielleicht eine breitere Lebenshaltung gewähren zu können, wäre ihr ein schrecklicher Gedanke gewesen. Niemals hätte sie gewollt, daß er einen größern Kredit anstrebe, um das Geschäft zu erweitern, wenn er nicht vorher begründete Sicherheit dafür gehabt hätte. Und diese zu erlangen war unmöglich. Von seinen Lieferanten hätte er gewiß viel mehr Kredit haben können, aber konnte er bei einem vergrößerten Kundenkreis auch aus dessen Zahlungsfähigkeit rechnen? Lieber wollte sie mit einer einfachen, aber sichern Existenz sich begnügen, als mit den Ungewißheiten und Verantwortlichkeiten weiterer Unternehmungen. In diesem Sinne hatte sie mit ihrem Manne sich über ihre Lebensführung geeinigt. „Mit wenigem zufrieden" das wollte sie sein! Und darnach richtete sie ihren Hausstand ein. Sie hatte ihrem

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