Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Der Mischpocherentner
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 257 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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Sieben Jahre waren darüber hingegangen. Fannscherls Aeltester kam zu Passah schon in die Schule, in einem Jahre bekam Elieser, der bereits seinen philosophischen Dr. gemacht hatte, „die Hatorasshorooh . . (Rabbinerqualifikation), und da er als ein sehr guter Redner rmd seiner Talmudkopf galt, Wohl auch bald eine Anstellung. Regi hatte einen Schneidermeister in Kaschau geheiratet, war also auch untergebracht, wozu der Schwager Weiß weit über seine Verhältnisse beigesteuert hatte, es blieben also nur Saul und Kathi. Dieser war endlich so weit, daß er als Kassierer bei Josua Pollak, Mehl- und Früchte 6ll gros und en detail, 50 Gulden monatlich bezog, womit er auskommen konnte und auch kam, so daß Josef den Zuschuß für Kathi von 5 auf 15 Gulden erhöhen konnte, was für diese eine große Summe bedeutete. Und nun dachte er an den eigenen Hausstand und fand, daß er berechtigt sei, einen solchen auf einfacher Basis zu begründen. Dazu bedurfte er eines bescheidenen, gut erzogenen, gebildeten, feinen Mädchens, das darauf eingehen wollte, in Wien, dem glänzenden, schönen, großen Wien, an seiner Seite ein anspruchsloses, glückliches Leben zu führen. Eines Mädchens, das er liebte . . . und er wußte, daß es ein solches Mädchen gab, ein Mädchen, das er liebte . . . sieben Jahre schon, ein Mädchen, um das er in seiner Seele gedient, sieben Jahre, wie Jakob um Rahel. Bei der Hochzeit seiner Schwester hatte er sie zum ersten Male gesehen, kaum sechzehnjährig, hold wie ein Röslein von Saron und hell wie die Sonne und sanft wie der Mond und fröhlich wie junge Lämmlein. . Diese ganze Liebespoesie, die ihn plötzlich wie ein Rausch durchdrang und mutig, entschlossen und beredt machte, legte er in einem Briefe an den Rabbiner Dr. Friedmann nieder, in dem er dann seine materielle Lage und Aussichten auseinandersetzte und bei ihm um die Hand seiner Tochter Jetti anhielt. Nach eingezogenen genauen Erkundigungen um den Bewerber, der ihm und auch seiner Tochter nicht nur von der Hochzeit her, sondern auch von gelegentlichen Besuchen bei seiner Schwester in Saybusch bekannt war, wurde dieser zu einem etwas 17