Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Der Mischpocherentner
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 256 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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256 tägliche Brot. Er hatte ja für die Brüder zu sorgen. Saul, der noch immer bei Josua Pollak war, ohne daß sein kaufmännisches Wissen und demgemäß seine Stellung sich wesentlich verbessert hätte, und Elieser, der auf dem Rabbinerseminar in Breslau sich fürs Rabbinat ausbildete und gleichzeitig die Universität besuchte. Das war nun Josefs größter Stolz, dafür sparte und darbte er und war dankbar, daß mit einigen Stipendien, die dem Studierenden von entfernten Verwandten mütterlicherseits bewilligt worden waren, es ihm ermöglicht wurde, die lange Studienzeit für den Bruder durchzuhalten. Die Geschwister waren glücklich bei dem Gedanken, daß dieses Ziel zu erreichen sein könnte, und Schwester Fannscherl trug auch hie und da ein Scherflein dazu bei, durch die Zusendung von manchem Spargroschen, den sie trotz des kinderreichen Hauses, ihrer Wirtschaftsführung abgewann. Ihr Mann wußte darum, hatte nichts dagegen und gab noch manchmal etwas draus . . . Mischpoche! In die alte Heimat kam eins oder das andere von den Geschwistern nur, um die Gräber der Eltern zu besuchen und dann verfehlten sie nie bei Dr. Berger vorzusprechen. Und wiederum waren einige Jahre verflossen. Trotz der UnVeränderlichkeit des jüdischen Lebens nach außen hatten im Schicksal der Einzelnen sich doch bedeutsame Wandlungen vollzogen. Josef Eisenstädters Kohlengeschäft hatte im Laufe der Zeit sich so vergrößert, daß er es wagen durfte, endlich an sein eigenes Glück zu denken. Die Keime dazu ruhten schon lange in seinem Herzen. Seit dem Hochzeitstage seiner Schwester. Aber er war damals noch nichts und hatte nichts, und so durfte er nur in seinen Träumen, zu denen ihm auch nicht viel Zeit gegönnt war, sich damit beschäftigen. Wünschen, hoffen, arbeiten, sparen und seiner Pflichten eingedenk bleiben, gegen seine Geschwisterl