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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 255

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Der Mischpocherentner
Date
1912-01-01
Page
Seite 255 (sequence 44)
Language
German
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255 noch im Vaterhaus lebenden Schwestern mußten sich anderweitig unterbringen. Der Mann von Fannscherl, Selig Weiß, nahm seine Schwägerin Regi ins Haus, obwohl sein Hausstand sich zu dieser Zeit schon um drei .aus seiner zweiten Ehe stammende Kinder vergrößert hatte. Er hatte nun für sieben Köpfe zu sorgen, zögerte aber keinen Augenblick, auf das bei der Beerdigung seines Schwiegervaters, von vr. Berger an ihn gestellte Ansinnen, die Schwester seiner Frau zu sich zu nehmen, einzugehen. „Wo sieben Magen satt werden, wird auch der achte nicht hungern. Und meine liebe Frau hat mir Glück gebracht. Ich Hab' eine anständige Parnoße und wenn ich auch nich ein reicher Mann werd', ernähren kann ich sie und auch was lernen lassen. Meine Frau ist gut zu meinen vier Kindern von meiner ersten Frau, nich anders, wie zu ihren eigenen und sie wird sie gut erziehen, denn sie ist eine gebildete Dame, Herr Dr., Sie können es mir glauben. Alles kann sie, Geographie und Briefe schreiben und Gedichter liest sie vor und Rechnen und die Bücher führen und versteht was vons Geschäft und von der Wirtschaft und jeder hat sie gern in Saybusch." „Sie sind also zufrieden mit Ihrer Frau, Herr Weiß? . . fragte der Arzt. „Und noch wie . . .?" „Na, vielleicht findet sich da unten auch mal was für Ihre Schwägerin? Die ist doch auch ein hübschds Mädchen. . ." , „Wer kann wissen? Aber bis dahin kann sie bei uns sein und sich mit die Kinder beschäftigen und Fannscherl Leistehen. . ." So war die eine versorgt, die andere kam zu einer Brudertochter von Israel Eisenstädter, die in einem kleinen Oertchen bei Brünn wohnte, verwitwet war und sehr glücklich, die Cousine bei sich aufnehmen zu können, die zum Haushalt-dadurch etwas beisteuerte, daß sie von der Gemeinde fünf Gulden erhielt und eben so viel von ihrem Bruder Josef in Wien. Dieser kam in seinem Geschäft langsam vorwärts. Er arbeitete unermüdlich, war sparsam und bescheiden und gönnte sich kaum das

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