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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 253

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Der Mischpocherentner
Date
1912-01-01
Page
Seite 253 (sequence 42)
Language
German
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253 Gymnasium und steht vor der Matura . . . und die beiden andern Schwestern der Braut . . . nun, vielleicht trifft sich für sie auch mal was . . . wer kann's wissen und bis dahin. . .? Man drückt sich eben so durch die Khille, die die Welt bedeutet. Das ist typisch! Eine Hochzeit wie die heutige! Niemand denkt daran, wie es kam, woher es kam ... es ist da! Das ist die Hauptsache. Niemand fühlt sich beschämt, gedemütigt, bedrückt. . . alle freuen sich, alle sind zufrieden, alle miteinander. Die Gebenden und die Nehmenden ... so ist es Brauch in Israel!" „Und so soll es bleiben . . .", sagte der Rabbiner mit Nachdruck. „Wir sind darin nicht ganz einer Meinung!" „Doch, doch, mein lieber Herr Or.! Sie wissen es nur selbst kaum. Theorie und Praxis finden ganz verschiedene Anwendung in bezug aus unsere Glaubensbrüderschaft. Oder wünschten Sie in diesem Augenblick lieber an der Tafel eines Reichen zu sitzen?" Betroffen schaute der Arzt ihn an. Zwei Geigen und eine Clarinette ließen in diesem Moment eine Tanzmusik erschallen. Die jungen Leute aus der Gemeinde hatten gesammelt, um die „Kleßmorim" (Spielleute) zu bezahlen. Die Jugend schickte sich zu einer Art Rundgang an, voran etwas schwerfällig Herr Selig Weiß mit seiner Braut, dann Hand in Hand Josef Eisenstädter mit Fräulein Jetti Friedmann, der Tochter des Rabbiners und sehr schüchtern und verlegen Elieser, der jüngste Sohn, mit Fräulein Anna Berger, der Tochter des Gemeindevorstehers. Die anderen folgten. Saul Eisenstädter aber, den der saure Wein und die süßen, fetten Speisen in eine ganz besonders vergnügte Stimmung versetzt hatten, hüpfte von einem Fuß auf den anderen, schlug mit den Händen den Takt zur Musik und sang mit weinseliger Stimme nach den Klängen des Radetzky- Marsches: „Der Mann muß hinaus ins feindliche Leben ... hinaus . . . hinaus ... der Mann ... der Mann hinaus ins feindliche Leben. . ."

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