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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 248

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Der Mischpocherentner
Date
1912-01-01
Page
Seite 248 (sequence 37)
Language
German
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sein . . . aber einmal sollten wir uns doch fragen, steckt mehr Hochmut oder mehr Demut darin? Und Sie müssen es mir schon verzeihen, Herr Rabbiner, wenn ich, in unserm kleinen Landstädtchen lebend, die Gelegenheit, die uns eine so prominente Persönlichkeit, wie Sie hersührt, wahrnehme zu meiner Frage an Sie: Ist es Hochmut oder Demut?" „Ich möchte das nicht so rasch entscheiden, obwohl ich antworten könnte, das sei in jedem Einzelfall anders. Einer tut es in Hochmut, der andere in Demut, nach seiner Veranlagung, gewissermaßen individuell. Solche Doktorfragen sind nicht leicht zu lösen, und vor allem nicht generell zu behandeln, und wenn Sie mir gestatten, Herr Doktor, so werde ich mir erlauben Sie morgen zu besuchen. Es wird mich sehr freuen das und jenes aus unserm gemeinsamen Jnteressenkreis, dem Judentum weiter mit Ihnen zu erörtern." Dr. Berger und der Rabbiner hatten sich gefunden, wenn sie auch beide aus ganz verschiedenen Gesichtspunkten die Dinge betrachteten, in der Liebe zu ihrem Volke waren sie Gesinnungsgenossen. Die Unterhaltung kam jetzt in ein ruhigeres Fahrwasser. Dr. Friedmann erzählte, daß er seine Tochter mitgenommen habe, uni sie am nächsten Tage zu Verwandten zu. bringen, die in der Nähe von Leipnik eine kleine Landwirtschaft betreiben. Dort sollte sie über den Sommer bleiben und die Haushaltung und Küche erlernen, und in die praktischen Dinge des häuslichen Lebens Einblick gewinnen. „Und prosperiert die Landwirtschaft Ihrer Verwandten?" fragte der Arzt interessiert. „Sehr erfreulich. Es sind emsige Leute, mit Lust und Liebe dabei. Sie haben im letzten Jahre ihren kleinen v Besitz durch Zukauf von Acker- und Weideland sehr hübsch arrondiert, und sprechen in vertrautem Kreise, mit bescheidenem Stolz schon von ihrem Landgut. . „Bescheidener Stolz . . . sehen Sie, Herr Doktor, das ist's was ich meine. Selbstgefühl in aller Bescheidenheit. Und nun gar der Ackerbau! Er war die Ver-

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