Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Der Mischpocherentner
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 246 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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— 246 — „Den Inhalt unseres Judenlebens!" „Sagen Sie doch lieber unseres jüdischen Lebens." „Wie ein kleiner Ausschnitt davon sich hier vor uns aufrollt. Sehen Sie diese Festestasel: Die Leute ringsum aufatmend die Bürde des Lebens einmal von sich werfen zu dürfen. Sie sind vergnügt und zufrieden und ihrebesten Kleider haben sie angelegt, und die Speisen munden ihnen und der Wein an der Tafel des — armen Lehrers: Und sie, die sonst viel und nach allein fragen, fragen sich nicht, wieso und woher und auf welcher Basis und mit welchem Recht? Es muß eben so sein . . ." „Gewiß, Herr Doktor, es muß eben so sein . . . einer für alle, alle für einen. . . Kol Isroel chawerim (Gemeinschaft)! Möchten Sie es anders?" unterbrach ihn der Seelensorger mit scharfer Betonung. „Ach ja, Herr Rabbiner, ich möchte es gern anders sehen . . . aber ich werde es nicht anders sehen ... ich noch nicht! Und weil ich das weiß und mir sagen nmtz, daß ein einzelner darin nichts ändern kann, halte ichmit. Aber sagen Sie mir aufrichtig, fänden Sie es nicht besser, würdiger, achtbarer, wenn an Stelle des Chewrußegefühl, das Ehrgefühl bei unfern Glaubensgenossen stärken zur Entwicklung gebracht würde? An dieser Tafel sitzen Alt und Jung, Verwandte und Freunde, Begüterte und Arme und niemand denkt daran, daß diese Heirat, dieses Mahl nur zustande kommen konnte durch die Beihülse aller möglichen Kräfte. Die Aussteuer der Braut, die Speisen hier auf dem Tisch, der Wein und Kuchen . . - Spenden alles , . .," er hatte in wachsender Erregung gesprochen „Spenden! . . . Und sie empfinden es nicht; nicht beschämend die Empfänger, nicht geringschätzig die Geber . . ., es muß eben so sein! Und sie denken nicht daran, daß diese Spenden Almosen sind ..." „Almosenempfänger sind wir Alle! ... Alle empfangen wir die Almosen von Gottes Güte und Barmherzigkeit und wir denken ebenfalls viel zu wenig daran, oder auch gar nicht", sagte vr. Friedmann ablehnend . . . „Ich bitte Sie, Herr Rabbiner, mich nicht mißzuverstehen! ■ Sie bringen die Frage auf das religiöse Gebiet,