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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 243

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Der Mischpocherentner
Date
1912-01-01
Page
Seite 243 (sequence 32)
Language
German
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IRI
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243 — saß der Rabbiner Dr. Friedmann und an seiner Seite der Gemeindevorsteher Dr. Berger. Der Brautvater hatte rieben seiner Tochter Platz genommen, und dann folgten einige besonders angesehene Gemeindemitglieder aus dem Vorstand und dem Repräsentantenkollegium, die als offizielle Vertreter der „Khille" zu der Hochzeitsfeier delegiert waren, und dem Vater vorher das sehr ansehnliche Geschenk von 100 Gulden als Hochzeitsgabe überreicht hatten. Die übrige Gesellschaft, aus.den nähern und entfernten Verwandten der Brautleute und einigen Freunden bestehend, gruppierte sich zwanglos um die Tafel. Jeder der Gäste hatte aber vorher ein Hochzeits- >geschenk(Droschegeschenk)abgeliesert, das auf eineminder Ecke stehenden Tisch niedergelegt wurde, um später, im Verlaufe der Mahlzeit, mit Namennennung der Spender verkündet Zu werden. Dieses Amt fiel gewöhnlich dem „Vorbeter" zu. Da aber Israel Eisenstädter, als Hochzeitsvater, nicht als Ausrufer funktionieren konnte, so hatte man Jofsel Schulklopfer damit betraut. Er hatte von amtswegen ein gutes Organ, an dessen Wohllaut man gewohnt war, wenn er die Männer zuni Morgengebet weckte. Er fühlte sich in der ihm bei der heutigen Hochzeit zuerteilten Würde sehr gehoben, und es klang drollig, wie er mit feierlicher und gewichtiger Stimme ankündigte: „Zwei Poor silberne Gabeln un Messer von Herrn Rafael Pulvermacher . . . ä versilberter Teeseier von Herrn Gedalje Reisner . . . ä Psomenbüchse (Gewürzbüchse) aus Silber von Herrn Meier Lewysohu . . . sechs silberne Löffel und ä Suppenkelle von Herrn . . .", er verneigte sich gegen Dr. Berger, ehe er mit ganz besonderer Betonung weiter sprach: „Sehr schwere, echt silberne Löffel und die Kell' auch aus Silber, un ganz massiv, von Herrn Gemeindevorsteher Dr. Berger . . .", so gingen die Ankündigungen der Geschenke weiter, durch Silber, Glas, Porzellan und allerhand nützlichen und überflüssigen Dingen für den künftigen Haushalt. Aber schön war's doch und unterhaltend, und die jungen Leute, die sich uus dem Nebenzimmer, wo für sie gedeckt war, in den Festraum drängten, begleiteten jeden Ausruf mit Händeie*

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