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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 242

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Der Mischpocherentner
Date
1912-01-01
Page
Seite 242 (sequence 31)
Language
German
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die vorschriftsmäßige Verlesung des Trauungsaktes und mit lauter Stimme wiederholte Selig Weiß die Formel, die der Rabbiner ihm vorsprach: Lars ad mekudesches li, dabei steckte er ihr den breiten Goldreif an den Finger und Fannscherl Eisenstädter war die Gattin desProPinationspächters Selig Weiß. Alles weinte. Plötzlich wurde ein Helles Klirren hörbar. Der „Bräutigam hatte mit kräftigem Tritt seines dazu besonders geeigneten Fußes das Glas zertreten, das symbolisch vor ihm hingelegt worden war und „Masseltow" scholl es von aller Lippen. Glück auf! Man umarmte und, beglückwünschte sich allseitig und Saul Eisenstädter flüsterte seinem Bruder Joses zu: „Der Mann muß hinaus ins feindliche Leben." „Wie kommt das zu dem?" antwortete dieser verwundert und sah sinnend Fräulein Jetti Friedmann an, die unter seinem haftenden Blick leicht errötete. Nun ging es zum Hochzeitsmahl. Sehr festlich war die Wohnung des Lehrers ausgeschmückt. Die Freundinnen Fannscherls und mit ihnen die ganze Gemeindejugend hatten sich vereinigt, dabei mitzuwirken. Das bunte Geblüh' der ländlichen Gärten plünderten sie, brachten aus den benachbarten Waldungen Laub- und Strauchwerk herbei und dekorierten damit die sonst so kahlen Wände der völlig ausgeräumten Schulstube, in der sonst dicht zusammengedrängt Buben und Mädel saßen, um in die Geheimnisse der hebräischen Schriftzeichen (des Aleph Beth) und der Jvre — hebräisches Lesen — eingeweiht zu werden. Heute ging es dort ganz anders zu, lustiger und festlicher. Wie statiös sah die lange Tafel aus, mit weißem Linnen gedeckt, auf der große Blumensträuße prangten, dazwischen das silberne Eßbesteck, das man aus den wohlhabenden Häusern der Gemeinde geliehen hatte. Löffel, Messer und Gabeln, von denen die schweren Löffel von Br. Berger wirklich „ganz echt" sein sollten, „nicht blos versilbert", wie Blümchen Freundlich, geschäftig versicherte. In der Mitte der Tafel waren zwei Sessel mit Gewinden aus Laub, rotem Mohn und Federnelken, wie sie am Wegsaum der Getreidefelder üppig blühen, geschmückt. Sie waren für das Brautpaar bestimmt. Neben dem Bräutigam

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