Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Der Mischpocherentner
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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240 Herr Weiß schmunzelte sehr geschmeichelt und sagte seinen Besuch, falls er mal nach Olmütz käme, ganz bestimmt zu. * . * * . Die „Chassene" von Fannscherl Eisenstädter mit Herrn Selig Weiß war ein Ereignis für die ganze „Khille". Der brave, bescheidene Lehrer erfreute sich allgemeiner Beliebtheit und jedermann gönnte ihm das Glück, feine Tochter so gut „onzubringen", was „Blümche Freundlich", die von Haus zu Haus mit den Neuigkeiten und dem Klatsch wandernde Allerweltsmuhme der Gemeinde, als eine besondere „Sechije" (Gunst) anpries. Denn, warum? Erstens war Eisenstädter „ä orntlicher Jüd", dann war Fannscherl „ä kluge Mad und hübsch und gesund und er ä starker Mann. . „Wie kommt das zu dem?" fragte eine Nachbarin, bedeutungsvoll lächelnd, „was hat das mit dem „Sechus" zu tun." „Nu . . .? und ... ja . . .", lachte Blümchen Freundlich, „das Wern mer sehn . . ., in neun Monat zu gesund." Der Bräutigam hatte sich den Rabbiner seiner Gemeinde, Dr. Friedmann, zur Trauung mitgebracht. Er konnte sich als wohlhabender Mann das leisten. Die. „Ehuppe" (Trauung) fand nach altem Brauch im Freien statt. Sauber und mit gelbem Kies bestreut war der kleine Hof hinter dem Wohnhaus des Lehrers. Dort war der Trauhimmel aufgestellt, unter einem Lindenbaum, in dem die Vögel zwitscherten, und flankiert von zwei bereits abgeblühten Akazienbäumen. Das sah sehr freundlich und poetisch aus, und als die Braut nach dem „Bedecken" (Zeremonie vor der Trauung) tief verschleiert und geführt von der Muhme Chaje, die Mutterstelle bei ihr vertrat, unter den rotsammtenen Trauhimmel trat, neben den, von dem Brautvater und einem Onkel geleiteten Bräutigam ging ein hörbarer Zug der Bewunderung