Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Der Mischpocherentner
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 239 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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239 Weiß aus seinem Ausschank mitgebracht hatte, waren in Hülle und Fülle vorhanden, und er zeigte sich in jeder Weise als Kavalier und schenkte Fannscherl eine goldene Uhr mit langer dicker Kette, dazu einen Granatschmuck, aus Ohrringen, Brosche und Armband bestehend, und ein sehr schönes Gehänge aus blaßroten Korallen. Ganz gediegen und durchaus echt. Wäre die Verlobung nicht zu Stande gekommen, so hätte er Alles, mitsamt seinen „Brontwen" wieder nach Saybusch mit zurückgenommen. Glücklicherweise war das nicht nötig, aber auch sonst zeigte er sich als generöser Freier. Auf die Mitgift verzichtete er, und begnügte sich mit einer guten Aussteuer, wobei er zu Tante Chaje, die diesen Teil der Angelegenheit mit ihm besprach, ausdrücklich bemerkte, von Tisch- und Bettwäsch' brauche man nicht viel anzuschaffen, weil davon von seiner ersten Frau noch genug vorhanden sei. Nur die Leibwäsch soll gut sein und gediegen, am liebsten Alles aus „Rumburger Leinen" und auf hübsche Kleider lege er besonderen Wert Jedenfalls aber eine atlassene Mantille und ein schwarzer Sammetmantel, denn seine Frau hat in „Schul" in der zweiten Reih, am Eck ihren Platz, bald hinter der Rebbezin und mit vr. Friedmann, dem Rabbiner, sei er auch gut bekannt. Sie werden auch Visiten machen müssen. Ein feines seidenes Kleid muß sie also auch haben, und andere Kleider, wie sich für seine Frau schickt, eine unberufen wohlhabende „Balboßte". Und Handschuhe und Hut und was so dazu gehört. Ja, Selig Weiß war ein Kenner. Tante Chaje strahlte, als sie das hörte, und dachte mit einem stillen, aber neidlosen Seufzer an die Zeit, wo sie diese Dinge ebenfalls besefsen hatte. Und sagte Alles zu, was er wünschte, ohne nur einen Augenblick darüber nachzudenken, wie ihr Bruder es beschaffen sollte. Und am Schluffe dieser bedeutungsvollen Verhandlung sprach sie feierlich: „Und wenn Ihr mal nach Olmütz kommt, Herr Weiß, dann bitt' ich um die Ehr' mich zu besuchen, und ich wer wissen, was das für ein „Kowed" (Ehre) is, daß der Mann meiner Brudertochter zu mir kommt, und wer mir erlauben, ihm den Kaffee zu kredenzen in einerTasse,ausderderKaiserJosefgetrunkenhat"