Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 237

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Der Mischpocherentner
Date
1912-01-01
Page
Seite 237 (sequence 26)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3111067-3111096-3115687--4220-3115936
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

237 — zu Haus hörten, aus der heimatlichen Khille, und von Josua Pollack, und ihrem Bruder Josef, der demnächst nach Wien reisen würde, wo er ein Kohlengeschäft übernehmen sollte. Und Saul sagte dann überzeugend: „Ja da is nichts zu machen, der Mann muß hinaus ins feindliche Leben". Dieser Ausspruch wurde das Paradigma seines Daseins. Allerdings mit der Einschränkung, daß dieses „feindliche Leben" in Josua Pollaks Mehl- und Getreidehandlung en gros und en detail seinen ganz friedlichen und kampflosen Anfang nahm, in seinen! weiteren Verlauf von allen außergewöhnlichen Ereignissen verschont blieb, und über Wien hinweg, in dem heimatlichen Leipnik einlief, einen Hafen wahrster Ruhe und einer Monotonie, wie sie nur einem Mischpoche-Rentner zuteil wird, der sie als den ihm gebührenden Anteil vom Lebenswerk anderer beansprucht und entgegennimmt. * * * Der Propinationspächter Selig Weiß aus Saybusch hatte sich wirklich für Fanny, genannt „Fänscherl" Eisenstädter erklärt, nachdem er bei der „Beschau" alle Zusicherungen ihres Onkels Jonas Beer, des Bruders ihrer verstorbenen Mutter, der ihm den „Schiddech" redete, — die Partie empfahl — als durchaus bewahrheitet erkannte. Fanny war ein hübsches, kräftiges Mädchen, mit hellem Kopf und gutem Herzen und würde fürs Geschäft und seine vier verwaisten Kinder sich gewiß ganz gut eignen. Auch ihr Alter paßte ihm. Mit 24 würde sie den Kindern, die im Alter von 2—9 Jahren standen, schon als Mutter Respekt einflößen, und für ihn, der im 36. Lebensjahr stand, war das hübsche, kräftige Mädchen sicherlich eine geeignete Gefährtin in jeder Hinsicht. Das hatte er, als er sie mit seinen leicht zwinkernden, etwas geröteten Augen von oben bis unten musterte, sogleich erkannt. Selig Weiß war kein schöner Mann. Von robuster, breitschultriger Gestalt, dem schwerfälligen Gang

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.