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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 233

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Der Mischpocherentner
Date
1912-01-01
Page
Seite 233 (sequence 22)
Language
German
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233 — Entscheidende. Ob der künftige Ehemann alt oder jung, häßlich oder ansehnlich, kräftig oder schwächlich war, war gleichgültig,dieHauptsache war die„Parnoße"(Auskommen). Auch das war Or. Berger bekannt, der aus langjähriger Erfahrung die Daseinsbedingungen dieser Armseligen und Beladenen in der kleinen Gemeinde studierte und oft seufzend und mitleidsvoll einsehen mußte, daß daran nichts zu ändern war. Wie hätte er ihnen etwas klar machen können von den modernen, wissenschaftlichen Ideen der Auslese und Zuchtwahl, von Vererbung und Verbesserung der Rasse? Diesen Armen, die nur einen Gedanken haben, das Stück tägliches Brot zu verdienen, auf die kümmerlichste Art, in Angst und Sorge, die nur eine Freude haben, die Erfüllung ihrer religiösen Pflichten und die damit verbundene Feier der Sabbat- und Festtage, eine Hoffnung endlich: die Hilfsbereitschaft ihrer besser situierten Glaubensbrüder! Was sollte so ein armer Melamed mit sechs Kindern eigentlich anfangen? Mit den Söhnen ging es ja noch, die würden sich schon durch das Leben schlagen, aber die drei unversorgten Töchter? Die „alte Mad" galt fast wie eine Schande in diesen Kreisen. War es daher nicht als ein Glück anzusehen, daß einer kam, der sie nehmen wollte? Im Fluge zogen diese Erwägungen durch des Arztes Meist und dann sagte er langsam: — „Wie alt ist Fannscherl eigentlich?" „Fannscherl wird zu gesund, vierundzwanzig . . ., ä alte Mad, beinahe Herr Dr., aber man merkt's ihr nicht an. Seit dem Tod meiner gottseligen Frau hat sie gesorgt für mich und die Geschwister, was noch waren zu Hause wie eine Mutter. Sie ist gewohnt mit Kindern, sie war die Aelteste von alle meine Kinder, dynn kamen die beiden Buben, was sind - jung gestorben, dann erst Saul, was jetzt geht ins 18., und dann die andern. . . Daß Saul sich endlich hat in die Lehr' begeben, hat sie auch zustande gebracht. Sie hat ihm einmal gut zugered't -und wie ein Row gedarschnet: Der Mann muß hinaus ins feindliche Leben, hat Schiller gesagt, und wie er hat gehört Schiller und ä Vers, is es bei

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