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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 231

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Der Mischpocherentner
Date
1912-01-01
Page
Seite 231 (sequence 20)
Language
German
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231 „Verzeihen Sie, Herr Vorsteher, daß ich Ihnen so viel erzähle, aber damals, wie ich bin so krank gelegen, haben Sie zu mir gesagt: und wenn Sie mal was auf demHerzen haben und etwas brauchen, lieber Eisenstädter,so kommen Sie nur zu mir ganz offen und ungeniert. . . Das war mir wie eine Stimme Äon oben, wie Gott's Wort in mein Ohr, wie ich so elend und schwach bin dagelegen und hat mir geholfen, so gut wie die Medizinen, was Sie mir haben ausgeschrieben und is mir beigestanden, wie ich bin wieder zu Kräften gekommen. Und wenn ich was Hab' auf dem Herzen gehabt, bin ich gekommen zu Ihnen, Herr Or., und wenn ich was Hab' gebraucht ebenso, und jetzt, Herr Or., ich brauch' wieder was . . ., ein guten Rat und Ihre Hilfe. . ." „Nur raus mit der Sprach'!" rief gütig lächelnd der Ör. „Ja, also, es is mir ewadde (wirklich) penibel, es zu sagen. „Na, was denn? Eisenstädter, Ihr wollt Euch doch nicht gar wieder verheiraten?" „Ich? Gott soll mich bewahren! Was denken sich der Herr vr. von mir? — „Nichts Schlimmes. Das ist doch allgemein Brauch unter uns Juden, daß ein Witwer wieder heiratet, so bald als möglich, um ein Weib zu haben und eine Frau für die Wirtschaft und die Kinder, die er hat und die er haben möchte . . .", antwortete er mit jovialem Ton. Er kannte die Gepflogenheiten feiner in kleinsten Verhältnissen lebenden Glaubensbrüder in Bezug auf die Ehe als Arzt besonders genau, und daß es kauni eine Altersgrenze gab für die Wiederverheiratung eines verwitweten Mannes. Keine Altersgrenze und keine wirtschaftliche! . . . Nichts besitzen als ein Häuflein Kinder, wenig verdienen . . ., aber ohne Frau sich behelfen, das war unmöglich. In jeder Hinsicht . . ., physisch und moralisch! Was macht so ein alter Jüd ohne Weib? Er hatte viel darüber nachgedacht und war zu dem Schluß gelangt, daß in dem Sittengesetz der Israeliten diese Erscheinung begründet war, und nach-

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