Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Der Mischpocherentner
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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228 Vorsteher Dr. Berger in Leipnik, auf dessen Empfehlung des „sehr achtbaren Lehrers und Vorbeters Eisenstädter" -er dessen Sohn Saul ins Geschäft genommen hatte, schrieb er einmal: Lieber Schwäher! Mit Eisenstädter macht es sich. Er gibt sich Müh' und wenn er auch vons Geschäft nichts versteht, macht er doch, was man ihn aufträgt ziemlich brauchbar. Ich Hab mirs schlimmer gedacht, wie ich damals nicht gewollt Hab, wie Du ihn mir mit dem Empfehlungsbrief hergeschickt hast. Aber ich Hab nich das Herz gehabt ihn wegzuschicken, wie er da is vor mir gestanden so ä langer, unbetahmter Mensch, ä Sohn von en armen, ordentlichen Jüd und Melamed, und mit einem Brief von mein Schwager, dem Dr. Berger. Nich zu vergessen, Röschen läßt Dich grüßen, es geht ihr unberufen gut und den Kindern auch, und so Hab' ich ihm gesagt, ich wills versuchen mit Ihnen, Saul Eisenstädter. Denk Dir, ich Hab' nich gekonnt zu ihm „Du" sagen, wie zu die übrigen Lehrlinge und er hat nier groß angesehen und hat gesagt: Ich danke Ihnen, Herr Pollak, ich will mir Müh' geben im feindlichen Leben. A komischer Mensch! Lang wie ä Hopfenstang', un nich jung un nich alt. Für ein Lehrling zu alt und für ein Commis noch nichts nich gelernt. Aber ich bedaur' es nich. Ich Hab ihn so eine Art Vertrauensstellung gegeben, in den Remisen und im Comtor. Er paßt gut aus. Aus dem kann mal ä guter Einkassierer Wern. Er redt nich viel, und hat so was bestimmtes. Gleich am ersten Tag is was sehr komisches mit ihm passiert. Man hat ihm Reis gegeben, drei Sorten, prima und II und III, die sollte er unterscheiden lernen.. Nach langer Besichtigung sagt er endlich zu mein ersten Commis: Was Reis is, erkenn ich erst, wenn ich ihn eß, am liebsten mit Zucker und Zimmt. Du kannst Dir das Gelächter vorstellen von de andern. Er aber machte ein ganz ernstes Gesicht