Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Der Mischpocherentner
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 227 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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227 jüngeren Brüder sind längst dabei, sich für einen künftigen Lebensberuf vorzubereiten, nur Saul hockt hier beim alternden Vater hinter dem Ofen und liest und gescheiter scheint er davon nicht geworden zu sein. Und wenn sich nun glücklicherweise der Trieb in ihm regt, so halten Sie ihn nur nicht zurück, weil er in etwas romantischer Weise seine Absicht äußert." ' „Verzeihen Sie Herr Doktor, man kann schon sagen meschuggener Weise" ... „Nennen Sie es wie Sie wollen, lieber Eisenstädter, aber beunruhigen Sie sich nicht weiter, hindern Sie ihn nicht ... Sie haben wirklich nichts zu befürchten" . . . Und eines Tages war Saul wirklich hinausgegangen ins feindliche Leben, man hatte ihn bei einem Mehl- und Vorkosthändler in Olmütz untergebracht. Der lange, wortkarge Mensch erfüllte die ihm aufgetragenen Arbeiten ganz gewissenhaft. Schwer waren sie im Grunde ja nicht, denisisein Chef, der Mehl- und Vorkosthändler Josua Pollak, engros und endetail, hatte ihn, seines über die Lehrlingszeit bereits hinausgehenden Alters wegen nicht in das Detailgeschäft gesteckt. Zum Dütendrehen und Mehl und Gegräupe abwiegen, die Backpflaumen^'sortieren sund Erbsen und Bohnen auf Qualitäten prüfen, schien er ihm nicht geeignet, nachdem ein Versuch, den Reis erster, von dem dritter Qualität zu unterscheiden, kläglich mißlungen war. Aber er wußte Bescheid mit Schreiben und Lesen und daß er, als Sohn von Israel Eisenstädter, ein ehrlicher, zuverlässiger Mensch sein würde, stand außer Zweifel. Und so beschäftigte er ihn im Kontor mit kleinen buchhalterischen Arbeiten und in den Remisen mit Uebernahme und Auszählen der eingelieferten Warenposten von den Müllern und Fruchthändlern, mit denen das Haus Pollak in Geschäftsverbindung stand. Er nummerierte die Säcke, buchte die ankommenden und ausgesührten Waren und machte die variierenden Preislisten mit höchster Genauigkeit. Herr Pollak war zufrieden mit ihm und bewilligte ihm schon nach einigen Monaten aus freien Stücken ein kleines Taschengeld. An seinen Schwager, den Gemeindeis*