Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Der Mischpocherentner
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 226 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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226 sagte sie mit ungläubigem Lächeln, weil sie an solche Möglichkeiten nicht im Ernst dachte. Er sah sie lange nachdenklich an. Was in diesem Augenblicke in seiner Seele vorging, ob überhaupt etwas Neues sich darin regte, der Schwester Mahnung befruchtende Keime in diesen sterilen Boden gesenkt, wurde in seinem Gesichtsausdruck nicht kenntlich. Aber am Nachmittag desselben Tages, nach dem Minchagebet, trat er zu seinem Vater und sagte: „Vater, ich will hinaus ins feindliche Leben?" Mit dem Eigensinn beschränkter Naturen hielt er an seinem Entschluß fest, und obwohl der Vater zu seinen Töchtern und Verwandten ängstlich und besorgt sagte: „Kann man einen Menschen in die Fremde schicken, der in sein 18. Lebensjahr mit einmal daher kommt und sagt: ich will hinaus ins feindliche Leben? Früher nich, was wird nachher sein?" Auch mit dem Gemeindevorsteher, der Arzt in dem Oertchen war, beriet er sich und rief: „Herr Doktor, ein so einen Menschen kann man doch nicht unter fremde Leut' geben ... sie wer'n ihn ausfpotten und vor einen Narren nehmen. Ein anderer sagt: ich will zu ä Wollhändler, oder zu ä Spiritushändler, oder in ein Spezereigeschäft oder zu Wäsch' und Röck' un' Hosen. Mein ältester Sohn aber, muß ausgerechnet hinaus ins feindliche Leben." „Das ist ja nur ein Zitat, eine Redensart, lieber Herr Eisenstädter". „Da kennen Sie den Saul schlecht, Herr Doktor!" „Warum nicht gar! Ich werd' Saul schlecht kennen? Hab' ich ihn doch behandelt bei den Masern und beim Scharlach und wie oft bei Hals- oder Leibschmerzen und es ist immer gut gegangen" ... „Sie wer'n verzeih'n Herr Doktor, vielleicht nehmen . Sie ihn jetzt in Behandlung bei der Narrischkeit vons feindliche Leben" ... „Das will ich gern tun, lieber Eisenstädter, aber vorläufig lassen Sie ihn nur ruhig in die Fremde gehen und was rechtes lernen. Es ist die höchste Zeit. Die