Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Der Mischpocherentner
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 225 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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225 jüngste Bruder, die Mutter war einige Monate vorher auch gestorben, in die Fremde zog, nahm sich die älteste Schwester, ein verständiges, energisches Mädchen ihn einmal vor und sagte: „Nu, und Du Saul? Wirst Du immer hier herumgehn und dem Vater zur Last liegen? Ein Nichtstuer, ein Müßiggänger, es ist wahrhaftig ä Schand! Josef ist bereits Kommis, verdient seine 50 Gulden im Monat und wird' mal ein anständiger Kaufmann, wenn er sich etabliert in Holz und Kohle, und Elieser wird mal ein Rabbiner werden, nur Du gehst hier herum und denkst nicht an Deine Zukunft." „Wer sagt Dir das?" „Mir braucht niemand nichts zu sagen, ich seh's, leider Gotts- Ißt dem Vater das Brot und die Kartoffeln weg und die Barches und die Schaletkugel am Schabbes und den. Bissen Fleisch an Jontef ... ein großer, langer, gesunder Mensch, der älteste von Deinen Brüdern und sitzt da, wie ein kleines Jüngel, das sich nicht rücken und rühren kann. Ich verstehe nur nicht, daß es Dir nicht Peinlich ist Schämst Du Dich nicht?" „Nein", gab er bestimmt zur Antwort, dann sah er sie lange überlegend an und fügte hinzu: „aber ich kann ja gehn ... ich kann gehen . . . niemand hat mir nichts gesagt bis jetzt ... ich Hab' nich daran gedacht. Du und Regi sind doch auch im Haus" . . . „Ja bei Mädchen is das was anderes . . . kommt einer und nimmt sie, is sie weg . . . wenn nich bleibt sie da und wird eine alte Jungfer . . . aber der Mann muß hinaus ins feindliche Löben" . . . „Düs Hab' ich auch wo gelesen", siel er interessiert ein. „Na, siehst Du?" „Und Du Fannscherl, wirst Du mal wegkommen?" „Ich hoffe es" ... „Sicherlich wird mal einer kommen und Dich nehmen und Regi auch. Du bist so gescheit und Regi is hübsch, aber Kathi is mieß, die nimmt keiner nich . . . was wird mit der geschehen?" „Denk erst an Dich! Wenn Du mal ein tüchtiger Mensch geworden, kannst Du auch für sie sorgen" . . . ■ 15