Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Der Mischpocherentner
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 216 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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w MMjN, ^WEDMW^K'WWWVUWWWH 216 — 'f „Gewiß, unberufen! Du bist durchaus arbeitsfähig und wirst es unberufen, noch lange fein. Wie soll Josef, unberufen, sein Geschäft weiterführen, wenn Du, unberufen. Dich vorzeitig zur Ruhe setzt, wozu, unberufen, nicht der mindeste Grund vorhanden ist. . Sie versuchte ihn durch Schmeicheleien zu saugen . . ., noch immer hingen seine Arme schlaff herab. „Wärst Du krank. „Gott verhüte! . ." warf er ein. „Ja, Gott verhüte! Aber das bist Du, Gott Lob, nicht, und so weiß ich wirklich nicht, was Dich auf solche traurige Ideen bringt. . „Traurig? wieso traurig?" „Nun, es ist doch wirklich kein Vergnügen, sich wie ein alter, invalider Mensch zur Ruhe zu setzen, den ganzen Tag nichts zu tun und sich und den anderen zur Last fallen; dazu hat man immer noch Zeit. Warte doch noch ein paar Jahre, bis unsere Kinder selbständig sind. Die Buben das Einjährige abgedient haben, Malchen vielleicht eine Stellung in einem. Geschäft gefunden hat. . ." Die ganzen Sorgen dieses engbegrenzten Familienlebens, das sie in Achtbarkeit und Würde, in Bescheidenheit und Zufriedenheit mit aller Geduld und Ausdauer aufrecht erhielt, traten mit einem Schlage vor sie hin, als sie durch die Ansprüche des Schwagers neue Verpflichtungen an ihr Haus herantreten sah. Woher sollte ihr Mann das nehmen, was der Bruder zu seinem Leben benötigen'würde? Der Gebrauch wuchs ohnedies von Tag zu Tag. Wollte man den Kindern eine gute Erziehung angedeihen lassen, sie vorwärts bringen auf dem Lebenspfade, damit sie in Zukunft ein gedeihliches Fort- - kommen fänden, so hieß es alle Kräfte anspannen, um das Ziel zu erreichen. Und sie ließ es an gutem Willen wahrlich nicht fehlen. Treu und mutig, mit einem glücklichen Frohsinn begabt, stand sie ihrem Manne tapfer zur Seite im Daseinskämpfe und wußte über den einfachen Haushalt immer einen Schimmer von Behagen, Freudigkeit und Heiterkeit auszubreiten. Und nun sollte diese Ma-