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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 209

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Ein Edler in Israel
Date
1912-01-01
Page
Seite 209 (sequence 12)
Language
German
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209 Minister zu w erd en, ist heut' schon recht schwer, Minister zu bleiben — gewiß noch weit mehr. Du dienst als Minister — das ist's, was mich wundert — Der siebenten Großmacht ein Vierteljahrhundert. Mit emsigem Fleiß und beharrlicher Kraft Hast treu Du gearbeitet, froh Du geschafft, Und niemals bist Du — wie ich vernommen — Bei Deiner Arbeit zum „Sitzen" gekommen. Drum wird auch am Ehrentage Dein Der Wunsch wohl „Einheitsgedanke" sein: Daß Dein Leben verlaufe ohne Weh, Bis der Tod Dir zuflüstert: „Kämpfer a. D." Mit alledem war die ganze Schaffenskraft des tätigen und genialen Mannes noch nicht ausgenutzt. Dr. Rüls zählt zu den bedeutenden Philosophen der Gegenwart, der nach Urteil der Fachkenner die Philosophie des 19. Jahrhunderts zum würdigen Abschluß brachte. „Die Philosophie war es, die von Jugend an mich auf das lebhafteste beschäftigt hatte, zumal ich eingesehen hatte, daß sie aus ihrem Bannkreis der reinen und abstrakten Jntellektualität, die von einer Welt außerhalb des Denkens gar nichts wollte, erlöst werden müsse und einer gründlichen Regeneration bedürfe." So schrieb er selbst; schon seine Doktor-Dissertation 1864 „Wie ist die Metaphysik auf neuen Grundlagen anzubauen?" deutet darauf hin. In der Hast und dem Drang aller Anforderungen eines so ausgebreiteten Wirkungskreises konnte dieser Gedanke nur sehr allmählich zum System ausreifen. 1880 erschien seine Schrift „Der Einheitsgedanke als Fundamentalbegriff aller Religion und Wissenschaft, als Verständigungsbasis unter den Gebildeten aller Konfessionen und Nationen." „Mit der aufklärenden wird auch die apologetische Tendenz dieser Schrift hervorzuheben sein — schreibt er in der Vorrede. — Verteidigen will sie die traditionelle Form des Glaubens und Lebens gegen eine zersetzende Kritik, gegen einen geistlosen Materialismus und gegen einen allverneinenden Nihilismus, woran unsere Zeit ein gewisses Wohlgefallen 14

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