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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 207

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Ein Edler in Israel
Date
1912-01-01
Page
Seite 207 (sequence 10)
Language
German
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207 jüdischen Literaturvereine so zahlreich und erfolgreich entstanden, die aus dem Born der vorbereiteten Wissenschaft des Judentums Wissen und Erkenntnis schöpften Und weiten Kreisen zugänglich machten, denn die jüdische Lehre macht dem Juden das Leben erst lebenswert. Selbst seine allgemein vielseitige literarische Tätigkeit war oftmals mit edler jüdischer Denkungsart durchwirkt und durchwoben. In seinem glänzend geschriebenen Buche „Das Erbrecht als Erbübel im Hinblick auf die zukünftige Entwickelung der menschlichen Gesellschaft" (Leipzig 1893, II. Auflage 1897), in dem Rülf den eigenartigen und immerhin interessanten Versuch anstellte, ein sozial-gesellschaftliches Problem großzügig zu lösen, erscheint er uns nicht in seiner vielfachen Eigenschaft als Rabbiner, Philosoph und Philantrop, sondern in seiner klassischen Ruhe und geistvollen Tiefe als Sozialpolitiker. Allein auch da stellt er herrliche, bemerkenswerte Synthesen über sein Judentum auf, er kommt wieder aus den Prophet Jesaia zu sprechen, der für unsere Bibel den bedeutungsvollsten, erhabendsten und einheitlichsten Beitrag geliefert hat, es ist das Buch (Jesaja II) vom Gottesknechte und Leidensmenschen, auch wohl eine der reinsten und edelsten Perlen der Weltliteratur. „Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt,' die uns gefallen hätte". „Aber er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünden willen zerschlagen". Von dieser Auffassung heraus schreibt Rülf: (S. 112 ff.) „Durch die erfahrene heftige Gegnerschaft gestaltete sich die Gesetzlichkeit der Juden immer schärfer und absondernder; endlich war er völlig ausgeschlossen aus dem „Lande des Lebens" und ganz und gar in seine Innerlichkeit zurückgetrieben. Dort saß er bei kümmerlicher Nahrung ewig grübelnd und studierend in seinen Gesetzesbüchern und keuchend unter der furchtbaren Last des Lebens. Sein Rückgrat verkrümmte und die gesamte Körperbildung, Nase, Stirn, Brust folgte dieser Rückenkrümmung. Aus diese Weise entstand jenes häßliche, krüppelhaste Menschenwesen, Jude genannt. Wie aber die Akklimations- und Assimilationskrast beim Juden sich am stärksten ausgebildet hat — der Mensch und unter dem Menschen der Jude, weiß sich überall auf der Erde am besten einzuleben — so ist auch der Atavismus, das ist die Rückkehr zur Urgestalt, bei dem Juden in vorzüglichstem Matze vorhanden, lleberall, wo

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