Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Ein Edler in Israel
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 206?■„ der Zeiten auf der einen Seite die unerschöpfliche Quelle, den immerwährenden Anstoß zu erweitertem Schrifttums, zu immer neuen und mannigfaltigen Geistesprodukten. — Und auf der andern Seite bilden.sie in würdiger Weise Vorbild und Vorschrift für die Einrichtung des ganzen Lebens und alles einzelnen Tuns. Die Mittelpartei, das ist diese Geschichtspartei, das ist die national-jüdische und jüdisch-nationale Partei, welche nur in der Geschichte ihres Volkes, das niemals aufgehört hat ein Geschichtsvolk zu sein, Hort und Halt, Form und Norm für all ihr Tun und Lassen findet und erkennt." Am Schlüsse dieses Vortrages legt Rülf sein flammendes Glaubensbekenntnis dar an sein Judentum und seine Herrlichkeit und Göttlichkeit, dessen leuchtender Glänz selbst durch die tiefste leibliche und geistige Erniedrigung nicht verlöscht und nicht verwischt werden kann; er bekundet rückhaltlos sein festes Vertrauen auf die vom ewigen Gottesgeiste, vom Geiste der Wahrheit und der Liebe durchwehte Geschichte seines jüdischen Volkes. Es ist selbstverständlich, daß die namhaften Institute und Vereine der Memeler Synagogengemeinde Rülf's Schöpfung sind. In der ersten regelmäßigen Sitzung des 1896 begründeten Vereins für jüdische Geschichte und Literatur hielt Rülf einen Vortrag „Was wir sollen und wollen" ein formvollendeter Grundriß der gesamten jüdischen Geschichte und Literatur, worin er zuletzt ausführte, daß Mendelssohn das Alte mit dem Neuen, das Jüdische mit dem Klassischen wieder in Einklang bringen wollte, und wenn auch diese Versöhnung den nachfolgenden Generationen abhanden gekommen ist, wirkte der Mendelssohn'sche Geist doch so mächtig und nachhaltig, daß er uns Männer erweckt und sie befähigt hat, das gesamte jüdische Schrifttum von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart mit klassischem Geiste zu durchdringen, zu erfassen und darzustellen. Sie haben uns eine Wissensch ast des Judentums geschaffen, welche der klassischen Wissenschaft ebenbürtig an die Seite gestellt werden darf. Später, als im ganzen jüdischen Volke lebhaft das Bedürfnis empfunden wurde, sein Wissen vom Judentum zu vermehren und auf diese Weise klassische und jüdische Weltanschauung auszusöhnen, sind in Deutschland die