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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1912-01-01 · 15 (1912) · p. Seite 196

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
15 (1912)
Article
Wilhelm Wolfsohn
Date
1912-01-01
Page
Seite 196 (sequence 34)
Language
German
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196 Mendelssohn-Verein errichtete, mit der Inschrift: „Dem edlen Dichter und Priester der Humanität". An seinem Grabe hielt der Oberrabbiner Or. Landau eine sehr schöne Rede; nach ihm ergriff Advokat E. Judeich das Wort, im Namen des Literarischen Vereins. Emil Lehmann gab als Freund seiner Trauer in einem stimmungsvollen Gedichte Ausdruck und Hofrat Pabst schloß die Reihe der Redner mit ehrenden Worten, im Aufträge des Königlichen Hoftheaters zu Dresden. Berthold Auerbach, der die Nachricht in der Schweiz las, schrieb darüber an seinen Vetter Jakob: „Ich saß nach dem Frühstück mit Lazarus im Rauchzimmer, ich holte mir eine Zeitung und da lese ich in der Kölnischen Zeitung unter Vermischtes: Wilhelm Wolfsohn ist am 13. gestorben. Wo war ich am Sonntag, als der Freund verhauchte? Ich weiß es nicht mehr, hier sehen sich alle Tage gleich. Und nun diese Vermischtes-Notiz für ein ganzes volles schönangelegtes Leben. Ich habe mit Lazarus dem abgeschiedenen Freund tief nachgedacht. Wir wußten ja, daß er bald sterben mußte, und doch ist die Tatsache von neuem Entsetzen begleitet, man soll also nie mehr das liebe Antlitz sehen. Unser Freund war eine so weiche und feine Natur, daß ihm die eigentlich strenge Arbeit schwerer wurde; er lebte sich in jeder Lebensbewegung voll aus, er hielt Jeden für wert, seinen ganzen Lebensinhalt ihm konversationell darzubieten, und Alles an ihm war voll unbefleckten Seelenadels. Jetzt, da wir wissen, wie krank er stets war, bereuen wir, ihn oft zu straffer Energie gescholten zu haben. Die drei Zeilen der Zeitungsnotiz wollen mir noch immer nicht aus dem Kopf. Das also das Ende!" Ein schönes, reiches, gesegnetes, nur leider viel zu kurzes Leben war geendet. Nicht zu den größten, ewig dauernden Wirkungen konnte der Hochbegabte gelangen, aber er hat Tüchtiges geleistet und verdient, daß sein Andenken sortlebt. Er hat seinen Eid treu bis in den

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