Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Wilhelm Wolfsohn
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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— 195 — Galatz ausspricht, das wegen eines solchen Verdachtes im Jahre 1859 stattgefunden hatte. Ueber diese Greuel in Galatz handeln auch mehrere Stellen der Briefe Berthold Auerbachs an unseren Dichter. Im Februar 1865 erkrankte Wolfsohn sehr schwer. Er war seit vielen Jahren leidend gewesen, hatte aber alle Anfälle glücklich überstanden. Der letzten Krankheit war sein siecher Körper nicht mehr gewachsen. Sechs Monate blieb er ans Zimmer gefesselt, von den unsäglichsten Schmerzen tagelang gequält. Er blieb geistig frisch und seelisch stark. An ihm hatte sich der Wunsch erfüllt, dem er in den Versen „Gebet" poetischen Ausdruck verliehen hatte. O fänd ein Wunsch bei dir Erhörung, Der für die ganze Menschheit fleht — Nimm mir durch irdische Zerstörung Den Anblick, wie der Geist vergeht. Eh' Einer sich zum Bösen wendet. Der für das Gute siegreich stritt; Eh Einer das verfolgt und schändet. Wofür er selbst begeistert litt. Eh Einer an den höchsten Gütern Der Menschheit zum Verräter wird; Eh Einer von des Lichtes Hütern Sich in das Reich der Nacht verirrt. Eh Einer kalt und ohn' Erröten Sein Liebstes zu verlassen droht — O wolle, Herr, ihn leiblich töten, Eh seiner Seele naht der Tod! Am 13. August 1865 ist Wolfsohn gestorben. Auf dem israelitischenFriedhof zu Dresden wurde er zur letzten Ruhe bestattet. Sein Grab trägt ein Denkmal, das ihm der 13*