Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Wilhelm Wolfsohn
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 193 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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'j. 193 — Mord, das vergangene Schicksal der Claudia und dann noch Salomon de Rosa und zuletzt noch Fernando. Bei diesem muß ich dabei bleiben, er durfte keinen Zusammenhang mit der Familie haben und wir mußten früher wissen, daß es ein Jude war, und auch jetzt können Wir uns nicht denken,. wie er dennoch unter Scheiterhaufen lebte und haben keine Vorstellung, wie er, nachdem das Drama geschlossen, weiter lebt und ebenso die Zukunft des jungen Paares in- Rom und das fernere Leben der Juden ist uns problematisch." Das sind schwere Bedenken, über die man nicht hinwegkommen kann und doch wird man große Freude haben an den, sowohl durch ihre Gesinnung, wie durch ihre Sprache schönen Versen, die mannigfach in dem Stücke Vorkommen. Wahrhaft erhebend ist die Stelle, an der das Märchen des Blutgebrauchs durch die Juden enthüllt wird. Alonzo: O kam ein Zeuge jetzt, ein Bote Dessen, Der selbst ein Jude, unter Juden lebte. Als er gewandelt in des Menschen Bildung — * O kam ein solcher Zeuge jetzt und riese: Ihr lügt! ihr lügt! Nie war es Judenbrauch! . . . Fernando: (ber eilten Schritt zurückgetreten, tritt vor) Der Zeuge kam! - (Zeichen des größten Erstaunens und atemloser Spannung bei allen). Luiz: (erschüttert für sich) Weh' inir! sein Wort vernichtet mich! Fernando: Der Zeuge kam! Vernehmt es Alle, Alle! Dies Höllenmärchen, seit Jahrhunderten Ein Freibrief für den Raub und Mord an Juden, — Ich straf' es Lügen hier im Antlitz Gottes! Bei dem Gekreuzigten, ich straf' es Lügen! Mit höchstem Eidschwur, den ein Christ geschworen, Beteur' ich euch: nie war es Judenbrauch! 13