Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Wilhelm Wolfsohn
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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192 hatte irgend eine Gemeinschaft mit seinem Sohne zu haben,, der unter Christen eine hohe Stellung errungen, nun Plötzlich diesen Standpunkt aufgibt und die Liebe und' Duldung predigen will. Wenn man aber doch alle diese unglaubhaften Dinge für glaublich und möglich hält — und das wirkliche Leben ist ja häufig wunderbarer als. die üppigste Erfindung — ist es wirklich denkbar, daß in Spanien, in dem Spanien des 16. Jahrhunderts die Menschlichkeit Triumphe feiert? Ist es nicht eher anzunehmen, daß selbst, wenn sich die Höchstgestellten, der Gouverneur und andere hätten rühren lassen, die vertierte Masse, weder die ersten Hofbeamten noch den überall verehrten Prior geschont, sondern gerade in der Opferung auch dieser Personen, gemeinsam mit den gehaßten Juden ein wonniges Zeugnis des Glaubenseifers erblickt hätte. Alle diese Bedenken, die gewiß jedem modernen Leser kommen, hat schon Berthold Auerbach in einem Briefe vom 21. April 1862 zusammengefaßt. Er spricht von einer Aufführung des Dramas in Berlin, bemerkt, daß es gegen die erste Bearbeitung viel gewonnen hätte, (vielleicht wurde es also in einer anderen Fassung gegeben, als die ist, die uns in dem Druck von 1869 vorliegt) und fährt dann fort: „Ich sah das Drama in der neuen Bearbeitung zum ersten Male. Es hat viel an dramatischer Concision gewonnen, aber ganz klar wurde mir jetzt, daß, wie es vorliegt, die biographische Ueberraschung vorwiegt und zwar in der vielfältigsten Weise; die leicht erzählbare Fabel des Ganzen fehlt. Der Kernpunkt, wie das Ganze geworden, ist der Kampf des Sohnes zwischen Liebe, Glaube und Familienanhänglichkeit. Hier sind auch die besten Töne, der vierte Akt wirkt tief ergreifend. Fernando ist eingesetzt und sollte es doch nicht sein, am Schluß wird ein dramatischer Revolver mit 6 Schüssen losgebrannt. Weil Sie einen großen historischen und einzelbiographischen Hintergrund zeigen wollten, häufen sich die Gewaltsamkeiten, Isaak mit seinen Kindern, Pasqual mit seinem Dienerhasse, Don Gomez mit seinem gewaltsamen