Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Wilhelm Wolfsohn
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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190 -es nötigt den Leser so viel Unfaßbares anzunehmen, daß man es nicht ohne Einschränkung loben kann. Don Gomez, der Sohn des Gouverneurs von Segovia, ein wüster Bursche, der auch ein Judenmädchen ins Verderben gebracht hat, ist empört über die Gunst, die ein Fremdling, Don Alonzo bei seinem Vater und bei dessen Pflegebefohlener, der Donna Claudia genießt. Er lauert ihm deshalb auf, wird wegen dieser feigen Tat von seinem Freunde Don Luiz getadelt und da es zwischen ihnen zum Kampf kommt, von diesen: getötet. Diesen Todesfall will Gomez Diener, Paseuale, benutzen, der vorher zehn Jahre bei dem reichen Juden Isaak gedient, um sich an seinem ehemaligen Herrn und an den Juden überhaupt zu rächen. Er schleppt daher die Leiche in des Juden Haus, beschwört in Gemeinschaft mit einzelnen Kumpanen, daß Isaak, der sich wirklich in der Nähe des Tatorts befand, mit andern Glaubensgenossen den Gomez getötet habe, um sein Blut zu Ostern zu gebrauchen. Isaak wird gefangen, zusammen mit dem Rabbiner Solomon del Rosa aus Amsterdam und dessen Frau Rebekka, die nach Segovia gekommen sind, um ihren Sohn zu suchen, der vor einigen Jahren aus dem väterlichen Hause geflohen war. Dieser Sohn ist natürlich Alonzo. Er hatte unerkannt eine hohe Stellung eingenommen, sich bei dem Prior eines einsamen Klosters Fernando taufen lassen, wird aber durch die schweren Anklagen, die gegen seine ehemaligen Glaubensgenossen geschleudert werden und durch den geheimen Zug seines Herzens in das Haus des Juden Isaak geführt, wo er seine Eltern erkennt. Er will mit ihnen den Tod erleiden, trotz der flehentlichen Bitten seiner Mutter, trotz des brünstigen Ansturms seiner Braut, die auch von dem Juden nicht lassen will. Aber nun bekennt der Prior Fernando, daß er Alonzo getauft habe, daß er aber selbst ein Jude sei und zwar der Bruder der genannten Rebekka. Er tritt für die Unschuld der Juden ein, züchtigt die Leichtgläubigkeit der Christen, die an solch unsinnige Märchen glauben. Infolgedessen befreit der gerührte Gouverneur die gefangenen Juden, läßt Alonzo, der von seinem christlichen Schwiegervater