Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Wilhelm Wolfsohn
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 186 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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186 glänzend gegeben, durch die Bemühungen des Regisseurs Julius Pabst und die geniale Darstellung von Frau Bayer-Bürck und in demselben Jahre gedruckt. Der Inhalt des Stückes ist etwa folgender: Helene, die Tochter eines Leibeigenen, des Gärtners Martin, ist von ihrem Herrn, dem Fürsten Michel, seiner Freundin, der Gräfin Rajew übergeben und von dieser mit ihrer Tochter Mary ebenmäßig erzogen worden. Von allen Männern, jungen und alten, die meist ihre Vergangenheit nicht kennen, wird Helene umflattert. Da auch die für Mary ernstlich in Aussicht genommenen Heiratskandidaten, u. a. Alexander Bolinski, ein mit neumodischen Ideen aus der Fremde zurückgekehrter reicher Gutsbesitzer, die Fremde der Grafentochter vorziehen, wird Helene aus dem Haus gestoßen, ihrem Herrn zurückgeführt und soll nun als Leibeigene weiter leben. Sie jubelt in dem Gedanken mit ihrem Vater Zusammenleben zu können und ist zu schwerster Dienstbarkeit bereit. Nur zwingen läßt sie sich nicht. Selbst als Alexander durch seinen schlauen Freund Anatol, den Vetter des Fürsten, bewogen, sie von seinem Herrn begehrt, fügt sie sich nun ungern dem Verlangen des Fürsten, daß sie selbst diese Gnade erbitten soll. Aber der hohe Fürst will sie nur als Dirne verschenken, nicht als freies Weib. Ueber solche Medertracht empört, denunziert Alexander alle die Scheußlichkeiten und Ungerechtigkeiten, die er bei seinen Standesgenossen vorgefunden, dem Gouverneur, wird aber, da die also Bloßgestellten sich zusammentun und alle die Neuerungen des Zurückgekehrten, die sie als ebenso viele Verbrechen ansehen, alle seine losen Reden und gefährlichen Meinungen, die sie zu hochverräterischen Aeußerungen aufbauschen, demselben hohen Beamten unterbreiten, verhaftet und zur Deportation nach Sibirien verurteilt. Aus diese Kunde hin eilt Helene, die der unbezähmbaren Willkür ihres erbitterten Herrn durch eine von der Regierung ihr beigegebene Schutzwache entzogen war, von dem Totenbett ihres Vaters zu dem Geliebten. Sie, die sich dem immer von ihr Geliebten, so lange er hochstand, entzog, ist bereit, den zur Knechtschaft Verbannten