Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Wilhelm Wolfsohn
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 23)
- Language
- German
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- 186 -recht befremdlich, wenn er eine Definition gibt, wie sie -etwa eine der Leonoren in Goethes Tasso hätte geben formen: Die Feinheit ist der Duft des klugen Geistes, Berührung scheuend, daß sie nicht verletze; Die Zartheit ist die Blüte wahrer Seelen, Berührung suchend, daß sie heilen könne. Das Drama „Nur eine Seele" hatte ursprünglich den Titel „Ein Herr von tausend Seelen". Es wurde 1854 vollendet und ging am 1. Oktober mit Bogumil Dawison in der Titelrolle, der Rolle des Fürsten Michel, über die Dresdener Bühne. Der Autor wurde bei der ersten Aufführung zehnmal gerufen. . Die Freunde beurteilten das Stück nicht so günstig wie das Publikum. Fontane, der beide Fassungen kannte und die erste mißbilligt hatte — diese erste Fassung ist uns unbekannt — schrieb über die zweite, freilich ehe er sie kannte. „Ich bewundere in gleicher Weise die moralische Kraft, die dazu gehörte, sich noch einmal an die Lösung einer Aufgabe zu machen, dran man vorher scheiterte, wie ich die Rapidität bewundere, mit der Du das Ganze wieder aufgebaut hast." Ueber die erste Fassung urteilte Eduard Devrient gleichfalls sehr ungünstig und schloß mit den Worten „die gewiß wohlgetroffene Zeichnung der gemeinen Muffen, die Gedankenschönheiten der Sprache, namentlich in der Rolle des jungen Mädchens, können das Drama nicht retten". Die Geschichte des Stückes in seiner neuen Fassung hat Wolfsohn in seiner Vorrede erzählt. Es wurde zuerst in Leipzig schlecht gespielt und herbe beurteilt, errang Erfolge in Stettin und Königsberg, dann kam es durch Anton Ascher in das Friedrich-Wilhelmstädtische Theater in Berlin, wo es, auf den Antrag russischer Adliger verboten, durch Fürsprache des russischen Gesandten von Budberg freigegeben, durch eine Reihe von Aufführungen seine Weihe erhielt. Es gelangte noch auf vielen anderen Theatern zur Darstellung, 1857 wurde es in Dresden