Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Wilhelm Wolfsohn
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 182 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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182 — Empörungslust seines Sohnes, der übrigens selbst nicht auftritt, von dem wir nur durch seine Begleiter hören — auch Zar Peter erscheint erst in der zweiten Hälfte des dritten Aktes. — Das Stück berichtet uns ferner das grausame Wüten der kaiserlichen Ratgeber, die den Befehl des Herrschers absichtlich oder unabsichtlich mißverstehen und endet damit, daß der Herrscher feine Volksbeglückungstheorien in Gemeinschaft mit einem Bürger sich auszuführen anschickt. Dieser Bürger ist der Großkaufinann Prawidin. Er hat wunderbare Schicksale. Zuerstvondem Stadtkommandanten von Petersburg Franz Karlowitsch v. Hartingen auf Grund des Bekenntnisses eines gefolterten Ketzers Zacharias verhaftet und zum Tode verurteilt, durch die Anhänger des Zarensohnes befreit, wird er auf Bitten seiner Tochter Natalie in Gnaden beim Kaiser ausgenommen. Da aber seine Verbindung mit dem Prinzen und ein von dem Kaufmann für das Volk bestimmtes Manifest, das als Bittschrift an den Zaren gelangen soll, während dieser die Absendung derartiger Bittschriften auf das strengste verboten hat, offenkundig wird, gerät er aufs neue in Gefangenschaft, wird wiederum zum Tode verurteilt, aber zum zweiten Male durch das Dazwischentreten seiner Tochter Natalie und durch die bessere Erkenntnis des Herrschers, zu der dieser mühsam gelangt, befreit, ja sogar von deni Zar zu seinem Berater ernannt und erlangt die hohe Gunst seines ehemaligen Verfolgers. Dieses abenteuerliche Schicksal, das abenteuerlich bleibt, selbst wenn es etwa auf historischer Grundlage beruhen sollte, wirkt seltsam genug, ist aber immerhin bei der merkwürdigen Mischung im Wesen des Despoten, bei der Vereinigung von barbarischer Willkür, übertünchter Kultur, des Bewußtseins absoluter Macht und tief innerlicher menschlicher Regung wohl möglich. Die Gegenüberstellung beider Charakter ist dem Dichter meisterhaft gelungen, des eben geschilderten Fürsten und des Bürgers, der bei inniger, aber nicht sklavischer Liebe zu seinem Herrscher die Unabhängigkeit des selbständigen Mannes wahrt, alt russischer Eigentümlichkeiten, nämlich die Abneigung gegen alles Ausländische, mit eigenartigem Denken und kraft-