Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Wilhelm Wolfsohn
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 180 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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180 — Würdigen. Ob man daraus den Schluß ziehen darf, daß Maien-Wolfsohn, der 1851 nach vielen schweren Kämpfen eine Christin heiratete, selbst aber dem väterlichen Glauben treu blieb, schon damals, kaum 20 Jahre alt, die Mischehe als die einzig richtige Verbindung eines Juden erklärte, mag dahingestellt bleiben. Neben dieser Tendenz muß aber die Verherrlichung des Judentums als ein charakteristisches Motiv unserer Erzählung hervorgehoben werden. Denn nicht etwa sind die Christen nur Judenfreunde, sondern auch die Juden, außer dem taufbereiten Herrn Schierl, darf man als begeisterte Anhänger ihres Glaubens bezeichnen. Zeugnisse dafür bietet ein Gedicht Löwesr Zion, das hier folgen mag: Im Osten dämmert' ein Stern herauf Und weinend sah ich zum Stern hinauf — Warum er so traurig herniederfunkelt, Warum er nicht heiter und glänzend blieb. Warum das Sternlein so bleich und-trüb. Warum es Nebel rings umdunkelt? Und das Sternlein sah zur Erde hinab. Und vom Sternlein klang es zu mir herab: „Es ist kein Stern, den Nebel umsloren, Es ist ein Blick von Tränen umtaut, Der Blick einer schüchternen, zagen Braut, Die der Herr des Himmels sich auserkoren!" „Ach der mich umdüstert auf Himmelshöhen. Ließ nur mein weinendes Auge sehen, Drin zeigt er sein ewiges Lieben; Er hat sein Antlitz von mir gewandt, Er hat mich gestraft mit rächender Hand, Doch sein Herz ist bei mir geblieben!" Diese Verherrlichung des Judentums tritt auch: in mancherlei Aphorismen aus Löwes Tagebuch hervor. Eine besondere Erwähnung verdient darunter eine kurze