Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Wilhelm Wolfsohn
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 178 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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178 Außer diesem Beitrage enthält der Almanach, dessen Vorrede Wilhelm Freund für seine Unterstützung besonderen Dank ausspricht, eine Skizze über Gabriel Riester von K. Sidori, sodann eine Dorfnovelle: der böhmische Dorfjude von I. Kaufmann, einen historischen Aufsatz: David Isaak von Heinrich Arndt. Einen ziemlichen Raum in dem Almanach nehmen Gedichte ein, die unter den Titeln „Biblisches; Lebenstöne; zwei Szenen aus dem Leben; Legenden; Balladen und Lieder" zusammengestellt sind. Die Dichterdieser Lieder sind außer Carl Maien selbst, seine Schwester Ernestine, ferner Moritz Rappaport, Julius Fries, Carl Beck, W. Landau, L. A. Frankl, Carl Rößler, Bernhard Hirsche! und Carl Austerlitz. Einen sehr beträchtlichen Platz (130 S. des 450 S. starken Buches) nimmt die Novelle: „Das Opfer" von Carl Maien ein. Es ist eine Erzählung ältester Manier. Diese macht sich geltend in dem beständigen Hervortreten des Erzählers, der Wiedergabe seiner eigenen Meinung, den zahlreichen Wendungen an Leser und Leserinnen, die letzteren ohne jede ironische Beimischung, mit der etwa heute solche Wendungen vorgebracht werden, in schwülstigen Ausrufungen und in sentimentalen Betrachtungen. Vom literarischen Standpunkt des Verfassers ist höchst charakteristisch, daß außer Jean Paul, der sehr warm und Goethe, der etwas lau hervorgehoben wird, Tiedge mit wahrem Enthusiasmus verherrlicht ist. Diese Lobpreisung zweier . Schriftsteller der älteren Generation, von denen Tiedge jetzt ziemlicher Nichtachtung verfallen, und Jean Paul nur das Eigentum Weniger geblieben ist, erklärt sich daraus, daß Maien völlig unter dem Bann dieser beiden steht. Bei einer Erzählung ist man aber am begierigsten auf den Inhalt. Diesen anzugeben, ist nicht leicht. Nicht weniger als vier junge Mädchen stehen im Vordergrund: Sophie, die „hohe Jungfrau" nach Jean Paulschem Rezept, die Tochter eines Schulrats, ebenso'erhaben an Geist wie an Gemüt, von ihren Freundinnen wie eine Göttin verehrt, den Männern unerreichbar; Karoline Meister in Weimar, die Tochter eines Kaufmannes,