Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 15 (1912)
- Article
- Wilhelm Wolfsohn
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 177 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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— 177 — III. Wenig später als die beiden eben besprochenen Gedichtsammlungen erschien ein Almanach, der uns schon dadurch interessiert, daß er eines der ersten derartigen periodischen Werke gewesen ist — denn jüdische Unternehmungen dieser Art kamen erst in den 60 er und 60 er Jahren zur rechten Blüte. — Dieser Almanach mit einem Bilde Gabriel Rießers geschmückt, führt den Titel: „Jeschurun. Taschenbuch für Schilderungen und Anklänge aus dem Leben der Juden. Aus das Jahr 5601 israelitischer Zeitrechnung. Herausgegeben von Carl Maien und Siegm. Frankenberg," Leipzig 1841. Verlag von L. Fort. Auch hier bediente sich Wolfsohn seines Pseudonyms; der Genosse, mit dem er sich zur Herausgabe verband, war (nach Wünsche und Winter: Die jüdische Literatur III 878.) Arzt in Köthen. Er hat dem Bande „Briefe eines denkenden Kleinstädters" beigesteuert: merkwürdige Schilderungen und Betrachtungen über und gegen die Bildungssucht, das Scherwenzeln vor den Christen, scharfe Wendungen gegen die Indifferenten, gelegentlich auch gegen die Neuerer, Verklärungen des jüdischen Familienlebens und der alten Gebräuche. Trotz solcher romantischer Anwandlungen ist er. aber ein Moderner, der der Predigt, der Schule und der Pflege der Wissenschaft eine große Wirksamkeit zuspricht. So hebt er z. B. den Religionsunterricht Abraham Geigers in einem christlichen Realgymnasium in Breslau hervor (S. 407), rühmt (S. 415 ff) „die großartige Idee des um die Fortschritte und die Selbsterkenntnis der Juden in neuerer Zeit jedenfalls hochverdienten Dr. Philippson, eine Akademie für jüdische Gottesgelehrte zu begründen" und braucht (gleichfalls S. 415) folgende Worte: „Ich brauche Dich wohl nur an den edlen Streiter für Licht und Wahrheit, an den Doktor Geiger in Breslau zu gemahnen,. wieervoüdenFinsterlingendesJudentumsmitdenniedrigsten Waffen angegriffen, wie sie die boshaftesten Schmähungen gegen ihn ausstoßen, während dieser Gottesgelehrte nur noch siegreicher das Wort des reinen Glaubens verkündete." 12